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"Du liegst mir im Herzen"
Konzertreise des Stuttgarter Chores in die USA
Written by Walter Moderau, Stuttgart, Germany
Volk auf dem Weg, a monthly journal of the Landsmannschaft der
Deutschen aus Rußland, Stuttgart, Germany, October, 1997, pages
19-20.
English
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| Heimatklänge Chor, Stuttgart bei Strasburg,
Nord Dakota USA, Juli, 1997. |
"Der Stuttgarter Ortsgruppenchor Heimatklänge unter der Leitung von
Marina Bauer unternahm auf Einladung des amerikanischen Vereins der
Deutschen aus Rußland vom 15. bis 30. Juli 1997 eine Konzertreise
in die USA. Zweck unserer Fahrt war der Besuch von Landsleuten in
verschiedenen Orten des Staates Norddakota, wo wir bei landsmannschaftlichen
Treffen und Veranstaltungen auftraten. Dadurch wollten wir einen engeren
Kontakt zwischen unserer Landsmannschaft und den "rußlanddeutschen
Amerikanern" herstellen.
"Die Gesichter der Sänger und Sängerinnen sind wie die Gesichter
der versammelten Landsleute. Die Namen sind wie die Namen im Telefonbuch
von Strasburg...Die Namen und Gesichter gehören den 25 Mitgliedern
des Chores Heimatklänge aus Stuttgart (Deutschland), die sich auf
der letzten Etappe ihrer Norddakota- Tour befinden."
The Bismarck Tribune, Bismarck, North Dakota USA
24 Juli 1997
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Die Initiative zu dieser Reise, die wir nach dem Flug von Stuttgart
nach Minneapolis in einem gemieteten Bus forsetzten, ging von Prof.
Michael M. Miller aus, der rußlanddeutscher Abstammung ist und sich
als Bibliograph an der Universität Fargo mit Ahnenforschung beschäftigt.
Die Universität Fargo liegt im US-Staat Norddakota, dessen Bevölkerung
zu 30 bis 40 Prozent aus Nachkommen von Rußlanddeutschen besteht,
die sich dort von 1884 bis 1910 niederließen. Sie kamen hauptsächlich
aus der Gegend von Odessa und aus Bessarabien, aber auch aus Wolhynien
und von der Krim.
Grund für die Auswanderung war ein Gesetz des russischen Zaren
aus dem Jahr 1874, nach dem alle jungen Männer Rußlands Militärdienst
leisten mußten. Gleichzeitig schränkte es die Sonderrechte ein,
welche die Zarin Katharina II. den deutschen Siedlern versprochen
hatte. Zu dieser Zeit kamen Nachrichten aus Amerika nach Rußland,
daß ein bis dahin fast unbewohntes Land besiedelt werden sollte.
Viele Rußlanddeutsche, durch die neuen Bestimmungen des Zaren verunsichert
und verängstigt, entschlossen sich zur Auswanderung nach Amerika
und ließen sich überwiegend in Norddakota nieder, wo sie die Prärie
in fruchtbares Acker- und Weideland umwandelten.
Die heutigen Bewohner sind stolz auf ihre deutsche Abstammung
und sprechen zum Teil noch den schwäbischen Dialekt, der in den
ehemaligen Dörfern Südrußlands vor mehr als 100 Jahren gesprochen
wurde. Sie haben deutsche Vereine gegründet, deren Hauptaufgabe
die Ahnenforschung ist. Die Bibliothek der Universität Fargo besitzt
die umfangreichsten Unterlagen für diese Forschung. Prof. Miller
zeigte uns die Bibliothek und ihre Sammlungen.
Unser Chor hatte sein erstes Konzert beim 27. Kongreß des Vereins
der Deutschen aus in Jamestown, zu dem Teilnehmer aus ganz USA und
auch aus Kanada kamen. Vor dem Auftritt wurden die etwa 400 Zuhörer
von unserem Chormitglied Elfriede Moderau im Namen des Chores in
englischer Sprache begrüßt.
Am nächsten Tag fand ein Festessen statt, bei dem Ruth Klötzel
von der Bundesgeschäftsstelle in Stuttgart die Grüße des Bundesvorsitzenden
unserer Landsmannschaft, Alois Reiss, und des Bundesgeschäftsführers
Anton Wangler überbrachte. Wir hatten auch eine Fahne der Landsmannschaft
dabei und besichtigten mit Interesse die Ausstellung mit zahlreichen
Büchern und anderen Unterlagen zur Ahnenforschung.
Nach dreimaliger Übernachtung bei Landsleuten in Jamestown fuhren
wir mit unserem Bus nach Strasburg, dem Geburtsort von Prof. Miller.
Das kleine Dorf ist nach dem gleichnamigen deutschen Dorf bei Odessa
benannt, aus dem die Vorfahren der meisten Einwohner stammen. Die
Bewohner Strasburgs sind sehr stolz auf ihre schöne Kirche, die
sie aus eigenen Mitteln erbaut haben. Wir sangen in dieser Kirche
einige geistliche Lieder und auch Volkslieder. Große Aufmerksamkeit
widmeten wir der Farm der aus Strasburg bei Odessa stammenden Familie
Wald mit riesigen Weizenfeldern und Viehweiden.
Besonders beeindruckte uns dabei die fast unendlich erscheinende
Weite des Landes, in dem die Menschen vorwiegend Ackerbau und Viehzucht
betreiben. Unsere weitere Reise führte uns nach Bismarck, der Hauptstadt
Norddakotas. Dort wurde unsere Ankunft vom Fernsehen gefilmt und
in den Abendnachrichten gesendet. In Bismarck durften wir das Capitol
(Regierungsgebäude) besichtigen, wo uns der Gouverneur des Staates
Norddakota, Ed Schäfer, empfing. Wir brachten ihm ein Ständchen
mit einigen Volksliedern, worüber er sich sehr freute. Er bedankte
sich und verabschiedete jeden von uns mit Handschlag.
In Richardton, unserer nächsten Station, sangen wir in der bis
auf den letzten Platz gefüllten großen Klosterkirche bei der Morgenmesse
geistliche Lieder. Der Gottesdienst wurde vom Fernsehen übertragen.
Danach ließen wir uns das Frühstück schmecken, das uns die Mönche
servierten. Unsere beiden sprachkundigen Damen Ruth Klötzel und
Elfriede Moderau gaben anschließend ein Fernsehinterview über ihre
Eindrücke während unserer Amerikareise.
An unseren übrigen Aufenthaltsorten hatten wir außer Abendkonzerten
auch tagsüber Auftritte in einem Altenheim, einer Altenbegegnungsstätte
und einem Frauenkloster.
Nicht nur unser Chor, sondern auch unsere Gesangssolistinnen Lydia
Klein und Emilie Schwan sowie die beiden Musikanten Stefan Klötzel
(Balalaika) und Waldemar Hergert (Akkordeon) ernteten reichlich
Applaus und mußten des öfteren Zugaben bringen. Beim Volkslied "Du
liegst mir im Herzen" sangen die Zuhörer begeistert mit. Viele Konzertbesucher
kamen von weit her, um uns zu hören, und auch in Tageszeitungen
wurde über unsere Konzerte berichtet.
Zwischen unseren offiziellen Terminen fanden wir die Zeit, die
Sehenswürdigkeiten von Norddakota zu besuchen, ein Büffel-Museum
und ein Indianer-Museum Z.B. oder eine Pferdeparade und ein Western-Musical.
Wir hatten ausgiebig Zeit, Land und Leute kennenzulernen, übernachteten
teilweise in Hotels, aber auch bei fünf Familien, die uns sehr freundlich
und liebevoll aufnahmen und aufs beste bewirteten. Ihnen gilt unser
herzlicher Dank.
Einen schönen Abschluß unserer Reise bildete ein Abstecher nach
Süddakota, wo Tony Schwan wohnt, ein Cousin unserer Chormitglieder
Lydia Klein und Eugen Schwan. Tony Schwan lud unseren Chor nach
Aberdeen zu einem Schwan-Familientreffen ein, bei dem 40 Verwandte
aus allen Teilen der USA zusammenkamen. Es gab ein reichhaltiges
Buffet, und wir erlebten bei Gesang, Musik und Tanz einige erinnerungswürdige
Stunden. In der Einladung mit inbegriffen war die Übernachtung in
einem schönen Hotel. Wir sangen Tony Schwan unseren herzlichen Dank!
Auf unserer Konzertreise legten wir mit dem Bus rund 2.500 Kilometer
zurück. Wir haben viel gesehen und erlebt. Prof. Miller stellte
für uns einen genauen Reiseplan auf, begleitete uns auf unserer
Reise und stellte uns dem Publikum bei den Auftritten vor. Vielen
Dank auch ihm! Nach seinen Worten war es ein historischer Besuch
für die Rußlanddeutschen in Norddakota.
Reprinted with permission of the Landsmannschaft der Deutschen
aus Rußland, Stuttgart, Germany.
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