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Jüdische Siedler in Nord Dakota (Jewish
Settlers in North Dakota)
verschiedene Artikel übersetzt von Alice Morgenstern, Munich,
Germany
Fakten über die jüdischen Siedlungen in Nord Dakota
Grand Forks Herald, Grand Forks, North Dakota, USA, October
14, 1996
Die ersten Juden, die in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in
das Gebiet des heutigen Nord Dakota kamen, waren allem Anschein
nach Leute auf dem Weg nach Montana und Oregon. Der erste seßhafte
Jude war offenbar Dan Eisenberg, der 1869 einen Handelsposten im
jetzigen Bismarck betrieb.
In Bismarck, Fargo und Grand Forks entwickelten sich jüdische
Geschäftszentren und jüdisches Leben in den 80er Jahren.
Grand Forks hatte die erste blühende und selbständige
Gemeinde im Staat und ebenso den ersten ansässigen Rabbi und
die erste Synagoge.
Fünf größere und zwei kleinere jüdische Farm-kolonien
existierten einstmals. Mehr als 400 Juden bewarben sich um Land
in den Siedlungen, aber 400 weitere bewarben sich als Einzelpersonen
oder auch in kleinen Gruppen um Land in Staat.
Siedlungsgebiete:
Jüdische Siedlungsgebiete in den Ramsey- und Nelson Counties
schlossen auch solche Ortschaften und ländliche Poststationen
wie Starkweather, das Benzion Postamt, Webster, Devils Lake, Lakota,
Wamdumska und das Adler-Postamt mit ein.
Zu den Siedlungen in und um Burleigh County gehörten New Jerusalem,
Wilton, Regan und Wing.
Fast 100 jüdische Männer und Frauen bewarden sich zwischen
Ashley und Wishek im McIntosh County während der Zeit der Landverteilung
um Siedlungsland. In beiden Gemeinden gab es Synagogen.
Eine jüdische Farm-kolonie verfügte über mehrere
Ortschaften in Bowman County im äußersten Südwestern
von Nord Dakota.
Jüdische Siedler waren Geschäftsleute und Handeltreibende
von Keven Bonham, Redakteur von Grand Forsk Herald
Während der Pionierzeit in Nord Dakoa waren jüdische
Farmer eher die Ausnahme als die Regel.
Ich glaube nicht, daß es jüdische Farmer in unserer
Gegend gab, und ich bin mir nicht einmal sicher, ob im Gebiet von
Devils Lake viele waren," sagte Sam Silverman, dessen Vater
Herman sich um 1910 oder 1911 in Grand Forks niederließ.
Die meisten jüdischen Siedler in der Region waren im Handel
und in verschiedenen Geschäftszweigen tätig.
Herman Silverman wanderte aus Rußland ein und blieb zuerst
in New York City, wo er in der Bekleidungsindustrie arbeitete. Später
zog er nach Duluth und war dort Dockarbeiter.
Aber erer hielt es nicht lange bei dieser Tätigkeit aus. Nach
ein paar harten Wintern zog er nach Grand Forks, wo er mit Nähmaterial
hausierte.
Warum ging er nach Grand Forks? Ein Grund dafür mag sein,
daß die Stadt eine gut funktionierende jüdische Gemeinde
hatte, meinte sein Sohn. Die örtliche Synagoge wurde 1889 errichtet.
Er war nicht der einzige Silverman, der in der Gegend Nähmaterial
verkaufte, sagte Sam Silverman. Silverman war damals ein häufiger
Name. Viele andere Hausierer fuhren mit einem Pferd und einem Wägelchen
von Grand Forks auf das Land hinaus. Sams Vater reiste mit dem Zug,
besuchte die nahegelegenen Ortschaften und verkaufte seine Ware
an Farmer und ihre Familien, damit sie ihre Kleidung schneidern
konnten. Sein Geschäft gedieh so, daß er einen Großhandel
betrieb, indem er zusätzliche Ware einkaufte und andere Händler
damit belieferte. Schließlich gründete er das Bekleidungshaus
Silverman, eines der ältesten Geschäfte in Grand Forks.
Tage der Verzweiflung
von Steve Foss, Redakteur: Grand Forks Herald
Devils Lake:
Jacob Calof beklagt sich darüber, wie die Geschichte des amerikanischen
Westens dargestellt wurde und wie dieser Zeitabschnitt mit populären
kulturellen Klischees gezeigt wird. "Geschichten über
den Wilden Westen werden toll geschrieben, und im großen und
ganzen sind die Trug und Schein. Die beschreiben Frauen mit wunderschönen
weißen Blusen und die Männer mit Perlen am Revolvergriff,"
sagte Calof, als er von seinem Heim aus Bellevue in Washington aus
anrief.
"Die Fachleute waren in der Regel Versager, Verbrecher oder
Menschen auf der Flucht. Was die Siedlungen zusammenhielt, war der
Umstand, daß man nirgendwo anders hätte hingehen können.
Es ist so, daß der Westen von Leuten besiedelt wurde, die
nichs mehr zu verlieren hatten."
Calof sollte es eigentlich wissen.
Seine Mutter, eine russische Jüdin, namens Rachel Bella, wanderte
in eine Farm bei Starkweather, Nord Dakota, aus, um 1894 Abraham
Calof zu heiraten, einen jüdischen Emigranten, den sie nie
vorher gesehen hatte. Sie kam aus hoffnungslosen Verhältnissen
in Rußland und befand sich in einer noch hoffnungsloseren
Lage in Nord Dakota.
In späteren Jahren beschrieb sie ihr Leben in Rußland
und auf den Ebenen von Nord Dakota in einem Bericht von 67 Seiten
in Yiddisch für ihre Familie. Den übersetzten schließlich
ein Freund der Familie und Jacob Calof, und daraus entstand: "Rachel
Calots Geschichte: Eine jüdische Siedlerin auf einer Farm auf
den Eebenen des Nordens", herausgegeben von der Indiana University
Presss 1995.
Jacob Calof, das jüngste von Rachels neun Kindern, wurde 1912
geboren und verließ die Farm mit der übrigen Familie
1917, um nach St. Paul überzusiedeln. (Am nächsten Montag
wird Jacob Calof Devils Lake besuchen, um das Buch vorzustellen
und das Leben der Familie um die Jahrhundertwende in der Prärie
schildern.)
Rachels Bericht wirft ein Licht auf die schrecklichen Verhältnisse,
denen arme Siedler ausgesetzt waren. Die weitläfige Familie
ihres Mannes zog jeden Winter zu den Calofs und ihren Kindern und
lebte zusammen in einer Holzhütte von 12 zu 14 Fuß im
Quadrat, weil sie es sich nicht leisten konnten, genügend Brennholz
zu kaufen, um drei verschiedene Behausungen zu heizen.
In einem besonders harten Winter kamen auch noch zwei Dutzend Hühner
und ein Kalb mit hinzu. "Die Hühner verteilten großzügig
ihr Parfüm; das konnten wir gerade noch ertragen; aber der
Gestank des Kalbes, das in der Ecke angebunden war, war schier nicht
auszuhalten."
Die meisten jüdischen Familien, die es mit der Landwirtschaft
probierten, scheiterten damit, sagte Jabob Calof, weil Juden in
der ganzen weiten Welt nur selten Ackerland besitzen durften. Deshalb
hatten jüdische Emigranten wenig Geschick bei der Farmarbeit,
sagte Calof und fügte hinzu, daß viele auch deshalb das
Land verließen, weil ihre kulturelle Tradition städtisch
geprägt war und die Abgeschiedenheit auf den Höfen für
sie schwer zu entragen war.
Abraham und Rachel wurden jedoch erfolgreiche Farmer, während
die meisten anderen Juden scheiterten; und schließlich bauten
sie ein großes Haus, das als Sammelpunkt für weit enfernt
lebende Juden diente. Sie kamen aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit
und zu religiösen Feiern, sagte Jacob. Den Erfolg der Eltern
schreibt er ihrer harten Arbeit und ihrer Ausdauer zu.
Als die Arbeit auf der Farm wegen Abrahams Rheumatismus und Rachels
zunehmender Kränklichkeit nach neun Geburten zu mühsam
wurde, zog die Familie Calof nach St.Paul. Sie bewirtschafteten
500 Acres, als sie ihr Eigentum verkauften. Abraham hatte eine Zeitlang
ein Lebensmittelgeschäft, später handelte er mit Textilien.
Rachel starb 1952 im Alter von 76 Jahren in Seattle.
Für die Veranstaltung am Montag kommt Jacob Calof zum ersten
Mal wieder nach ND zurück. Er ist, wie er sagt, ein weitgereister
Mann.
"Die freündliche Aufnahme, die mich in Devils Lake erwartet,
werde ich anderswo so nicht finden - es ist die Herzlichkeit von
Leuten, die in einer Kleinstadt leben."
Übersetzung von Alice Morgenstern, München, Deutschland
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