[breadcrumb]

Angelockt und Vertrieben: Von Deutschland über Russland nach Amerika: Die Wechselhafte Geschichte der Russlanddeutschen

Lured and Banished: From Germany to Russia to America: Varying History of the Germans from Russia

Kriessmann, Wilhelm. "Angelockt und Vertrieben: Von Deutschland über Russland nach Amerika: Die Wechselhafte Geschichte der Russlanddeutschen." Amerika Woche, 17 November 2001, 14.

English


Bismarck, ND - Der lange Treck der Russlanddeutschen von Kontinent zu Kontinent begann um 1760. Damals lockte die deutsche Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst, in die Weltgeschichte eingegangen als Zarin Katharina die Grosse, deutsche Siedler ins russische Reich.

Sie kannte den Fleiß und die Tüchtigkeit ihrer Landleute, wusste auch um deren religiöse, wirtschaftliche und politische Bedrängnis. Lockmittel war eine intelligente Einwanderungspolitik, die die Siedler zehn Jahre von den Steuern befreite, ihnen kostenlos Land gab, sie religiöse Gemeinschaften frei ausüben ließ und vom Militärdienst befreite.

Vor allem der deutsche Südwesten stellte die neuen Siedler. Diese zogen sowohl auf dem Landweg als auch donauabwärts auf Schiffen nach Russland und ließen sich damals zwischen den Flüssen Dnjepr, Don und unterer Wolga nieder.

Katharinas Enkel, Zar Alexander I., lockte dann um 1804 weitere Einwanderer unter den gleichen guten Bedingungen in die Gebiete zwischen Dnjester, Bug und Don. Die Einwanderer bewältigen die anfänglichen Schwierigkeiten mit dem rauhen Klima, den primitiven Wohnverhältnissen, der Dürre und den Heuschrekkenplagen durch Zähigkeit und harte Arbeit. Bäuerlicher Wohlstand stellte sich ein. Kirchen und Schulen wurden gebaut, Land wurde zusätzlich erworben, neue Siedlungen in der nördlichen und östlichen Ukraine gegründet.

Um die Jahrhundertwende änderte sich dieser Zustand jedoch dramatisch. Die Nachfolger von Zarin Katharina und Zar Alexander I. kündigten die Priviligien der Russlanddeutschen auf. Die Machthaber beschränkten den deutschen Schulunterricht auf Sonntagsschulen und führten den russischen Schulunterricht ein. Die Folge: Viele Schwarzmeer-Ukraine-Deutschen wanderten aus. Ihr Ziel: Amerika.

Die US-Regierung bot günstige Bedingungen der Ansiedlung an, denn sie ermöglichte den Siedlern, Land im Ausmaß von 65 Hektar zu erwerben. Vor allem im weiten Mittelwesten Nord- und Süd Dakotas fanden die Schwarzmeerdeutschen ihre neue Heimat. Als die anfängliche Unbill wiederum überwunden war, blühten und gedeihten Ackerbau und Landwirtschaft.

Die vor allem an der Wolga, dem Don und dem Nordkaukasus verbliebenen Gruppen gerieten im Zuge der Wirren zwischen Zarenadler und Rotem Stern, der Bauernverfolgungen unter Stalin und der Kolchosenbildung abermals in Verfolgung.

Der männliche Teil der Volksgruppe wurde dezimiert, Hof und Grund vom Staat konfisziert, der Rest der Bevölkerung einem sklavenähnlichen Dasein unterworfen. Zu Beginn des Russlandfeldzuges 1941 mussten die Wolgadeutschen ins unwirtliche Kasachstan auswandern. Die anfänglichen Erfolge der deutschen Armee machten den verbliebenen Russlanddeutschen Hoffnung. Diese endeten in tiefer Verzweiflung und leidvoller Flucht in die alte Heimat. Dort fanden die Russlanddeutschen zum Teil wieder ihre Wurzeln, zum Teil wanderten sie in alle Welt aus. Die in Kasachstan angesiedelten Wolgadeutschen fanden vor allem in der Bundesrepublik Aufnahme, in kleinerem Ausmaß auch in der Ukraine und in Gebieten des ehemaligen Ostpreussen.

Permission to use any images from the GRHC website may be requested by contacting Michael M. Miller
North Dakota State University Libraries
Germans from Russia Heritage Collection
Libraries
NDSU Dept #2080
PO Box 6050
Fargo, ND 58108-6050
Tel: 701-231-8416
Fax: 701-231-6128
Last Updated:
Director: Michael M. Miller
North Dakota State University Library North Dakota State University North Dakota State University GRHC Home