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Zurück in die Heimat
Hommage an meine Mutter

Written by Dr. Hans Ternes


Mein 8-jähriges Ich läßt mir keine Ruhe. Es will mir unbedingt eine Geschichte erzählen, die ich selber weiß. Aber es meint, es stünde den damaligen Ereignissen näher. Ich überlasse ihm den Vortritt, bestehe aber darauf, daß ich mir das Heft nicht ganz aus der Hand nehmen lassen werde, da ich doch eine weit größere Übersicht über die Ereignisse besitze. Hin und wieder werde ich mein größeres Wissen ausspielen.

So fahren die Herren, so fahren die Damen, so stuckert der Bauer; es ist unser voll geladener Wagen, der so dahinstolpert, und zwar schon zwei Wochen lang. Als wir hörten, daß der Krieg zu Ende war, machten wir uns mit unserer letzten Habe auf den Weg nach Westen, wo wir die Amerikaner vermuteten; allein an der Grenze ließen uns die Amerikaner nicht durch, und was noch schlimmer war, sie übergaben uns den Russen. Die wollten uns nach Sibirien schicken, weil sie uns als Deutsche betrachteten. Nach langem hin und her konnten wir sie überzeugen, daß wir gar keine Deutschen wären, da unsere Papiere doch eindeutig bewiesen, daß wir alle in Rumänien geboren sind. Wenn das der Fall sei, dann müßten wir in die umgekehrte Richtung fahren. Und so begann der unheimliche Treck zurück in die Heimat, in unser Dorf Caramurat, das in der Dobrudscha am Schwarzen Meer liegt. Unheimlich, weil wir gegen den Strom von russischen Batallionen ankämpfen mußten. Ich war damals acht Jahre alt!

Es hieß jetzt zurück in die Heimat! Aber was erwartete uns dort? Als unser Dorf 1940 vom "Deutschen Reich" umgesiedelt wurde, hinterließen meine Großeltern und Eltern eigentlich alles. Nur was man in Koffer packen konnte, nahm man mit. Man stelle sich das vor: die Pferde und Kühe, die Schweine, die Gänse, die Hühner, alles blieb zurück. Meine Mutter erzählte mir, daß ihr Leibhündchen sie nicht verlassen wollte; es folgte ihr bis ans Ende der Ortschaft. Sie scheuchte es immer wieder zurück, bis es endlich den Kopf hängen ließ und sich hinlegte.

Unsere Kolonne von ungefähr 25 Planwagen vermied die Hauptstraßen und bewegte sich vor allem auf Seitenstraßen und oft an Wäldern vorbei. Und trotzdem konnten wir den Angriffen von Tieffliegern nicht ganz entkommen. Ob es amerikanische oder russiche Flieger waren, wußten wir nicht. In solchen Fällen schmissen wir uns so schnell wie möglich in die Straßengräben, hielten uns mit beiden Händen die Ohren zu und beteten laut um Gottes Hilfe. Ich fand es besonders auffallend, daß sich Erwachsene, die sonst so selbstsicher waren, sich in solchen Situationen wie kleine, hilflose Kinder verhielten.

Wir waren neun im Wagen: meine Großeltern, drei Tanten, meine Mutter, zwei Schwestern und ich. Mein Platz war gewöhnlich hinter meinem Großvater, der mit der Großmutter vorne auf dem Bock saß.  Um die Pferde zu schonen, ging meine Mutter oft neben dem Wagen her. Natürlich konnten wir nicht alle im Wagen während der Nacht schlafen. Meine Mutter und ich machten es uns unter dem Wagen auf Heu und Decken bequem. Ich muß hier anmerken, daß wir eigentlich kein Hochdeutsch sprachen, sondern nur unsere Mundart. Eines Nachts, als wir unter dem Wagen lagen, hörte ich meine Mutter flüstern:

Kind, bischt elend?

Nee, Mamma, ich kann nur nit schlofe. Warum misse mir unnerm Wan schlofe?

Kind, s’is kee Platz im Wan. S’Marcelle un s’Helen schlofe im Wan. Un kalt is’es jo aach nit. Bischt gut zugedeckt?

Mir is nit kalt. Nur mir geht so alles durch de Kopp. Mir han doch iwer di Grenz nach Deitschland wolle.

Die Amerikaner han uns nit durchgeloss. Un di Russe wollde uns nach Sibirie schicke, weil sie gedenkt han, dass mir Deitsche sind. Weil mir ihne han beweise kenne, dass mir in Rumenie gebor sin, han se gesat, dass mer dann dorthin fahre solle. Un jetzt sin mer uffem Weg in die Heimat.

Mamma, wa is’n das, Heimat?

Kind, das is de Ort, wo mir gebor und ufgewachse sin und wo mer die gleich Sproch geschwetzt han. Und wo mer alle gekennt han, die gleiche.

Lieder gesung han und  die gleiche Broich un Sitte gefeirt han. Heimat is so vill wie Gemeinschaft, e Platz, wo mer sich ufgehobe fihlt. Das hammer verlor, wie mer umgesiedelt wor sind, und jetzt wolle mer wieder dorthin.

Aber wer wes, was dort uf uns zukummt. Mir han doch alles zuricklasse misse, wie mir weg sin.

Mamma, mir will’s immer noch nit aus’m Kopp gehn, wie de Grossvater s’Schwein geschlacht hat. S’hat sich so gewehrt un geschrie, weil’s gewusst hat, dass er’s umbringe hat wolle. Un wie’er hinnerm Schwein her is mit’m grosse Messer, un hat paar mol steche misse, biss’es tot war.

Na ja, mir han doch einbrate un einkoche misse fir di Reis. Wer weiss, ob’s lange wird.

Mamma, wo s’n de Tate; mir han ihn so lang nit gesehn. S’letzte Mol, wie er auf Urlaub war, hat er versproch, dass er bald wieder kummt.

Kind, wenn ich das nur wisst, wo er is. De Krieg is aus. Hoffe mer nur, dass er nit vun de Russe gefang wor is. Vum Wendel un Longinus wisse mer aach nix, un vun meim Bruder Georg hammer schun lang nix gehert. Aach wenn’se noch am Lebe sind, wie solle se wisse, dass mir uff’em Weg in die Heimat sin.

Mamma, warum hasse uns die Tscheche so? Mir han ihne doch nix angetan?

Kind, wie mir umgesiedelt wor sin, ham mir nit gewusst, dass se die Tscheche rausschmeiße un uns in ihre Hef reinsetze. Uns het das aach nit gefall; aber unsre Leit hanse jetzt meischt gut behandelt, weil se gewußt han, daß mir ke Schuld an ihrer Ausweisung gehat han. Dei Opa is sogar eingesperrt wor, weil er de Hof nit glei ibernehme hat wolle – er hat noch gesihn, wie se di Tscheche ausm Hof gewies han. Am End hat er doch ja gesat, aber seitdem hat er e große Wut uff die Deitsche. Uns hanse nix angetan, aber wie mer durch X sin, han ich gesihn, wie se deitsche Soldate ausm Krankenhausfenschter uff di Stroß geschmiß han. De Hitler hat e großes Unglick angericht un dafir misse jetzt aach di Unschuldige bieße. Als Deitsche wereme es nit leicht han, bis mer in unser Dorf kumme.

Mamma, warum redde mir so e komisches Deitsch? Ich war jo nur kurz in der Schul, aber die andere Kinner ham mich manchmol ausgelacht, wie ich gesproch han.

Unsere Sproch is e Mischung; unsere Vorfahre kumme vun verschiedene Lender in Deitschland. Die Millers kumme aus Schwobe, die Ternesse solle ausm Elsaß kumme, un wo mei Mamma herkummt, wes ich aach nit, besunnersch wenn se saat: die Gatz is in de Geller gefall. In unsrer Sproch hammer sogar franzesiche Werter, wie 'Plafond' un 'selles'. Un wie unsere Leit aus Deitschland ausgewannert sin, zuerscht nach Pole und dann nach Besserabie, hanse natirlich aach slawische Werter uffgeschnappt. Un dann in Rumenie sin noch tirkische un rumenische Werter dazukumm. Mir wisse gar nit mehr, wo manche Werter herkumme. De Milleropa hat z.B. immer 'heidi' un 'greitdebattel' gesaat, was gewiß ke deitsche Werter sin. Un zu de Tomate hammer 'Baddeltschanne' gesaat. Mir han halt alles in unsere Sproch uffgenomm und gebabbelt, wie uns de Schnabel gewachs is. Ich glaab, manche vun unsere Werter gibt es sunscht nirgendwo, wie 'Dudderwenche', 'Kraddel', un 'Hingelsknecheltje'. Wemmer so was hert, fihlt mer sich wie derhem. Ich glaab deswege, daß unsere Sproch aach unsere Heimat is.

Und auf einmal waren sie da. Obwohl wir schon einige Tage vorher gehört hatten, daß wir bald auf die Russen stoßen würden, waren wir dennoch nicht darauf vorbereitet und hatten natürlich enorme Angst vor dieser ungewissen Bedrohung. Die Frauen beschmierten sich die Gesichter mit Erde und zogen die Kopftücher tiefer.

Plötzlich stand eine Truppe betrunkener russischer Soldaten mit geladenen Gewehren vor uns, feuerten Schüsse in die Luft und schrieen etwas, was wie ‚Tscheß’ klang und wiesen auf das Handgelenk. Glücklicherweise hatte mein Großvater eine alte Armbanduhr, die sie ihm sofort mit Gewalt abrissen. Das schien sie zu befriedigen, denn sie zogen weiter zum nächsten Wagen, dessen Insassen weniger Glück hatten, denn wir hörten hysterische Schreie von Frauen.

So fahren die Heimat- und Obdachlosen auf Nebenstraßen und durch Wälder. Die Angst vor den Russen kann man besonders in den Gesichtern der Frauen sehen. Gestern Abend fanden wir eine versteckte Lichtung und beschlossen Halt zu machen. Eingemachtes wurde hervorgeholt und sogar sebst gemachter Schnapps, Pflaumenschnapps, in unserem Dialekt Ziuka genannt. Und was mich sehr überraschte, war der Stimmungsumschlag.

Neue Hoffnung auf die Rückkehr in die alte Heimat erregte die Gemüter, so daß einige sogar unser Dobrudschalied, etwas gedämpft natürlich, anstimmten. Ich selber kenne nur die erste Strophe, die den Stolz auf unsere Herkunft feiert.

Ihr lustigen Dobrudschaner seid ihr alle beisammen?

Ei, so lasset uns fahren mit Roß und mit Wagen hinaus vor die Stadt, wo der Feind sich gelagert hat.

Was sind wir und was seid ihr, was sind wir und was seid ihr?

Lustige Dobrudschaner, das sind lustige Kerle.

Was sind wir und was seid ihr, was sind wir und was seid ihr?

Lustige Dobrudschaner, die sein wir.

Und auf einmal lief eine meiner Tanten mit losen Haaren und wild gestikulierend durch die Lichtung und schrie aus voller Kehle

Am Schwarzmeerstrand
Wo unsere Wiege stand
Dahin wollen wir ziehen
Da sind wir gediehen
Dahin wollen wir fahren
Trotz aller Gefahren

Sie lief hysterisch durch die Lichtung und fuchtelte mit einer Fackel in der Luft herum.

So stuckerten und trotteten wir weiter. Es war besonders unangenehm, wenn es regnete. Meistens saß ich dann hinter meinem Großvater, der kaum ein Wort von sich gab. Er war ein ruhiger und sehr strenger Mensch, mir gegenüber war er aber immer freundlich und zugetan. Als dreijähriger Lausbub saß ich einmal auf der Dreschmaschine und warf die Maschinenschlüssel weit um mich herum; mein Großvater lachte nur. Seinen eigenen Kindern hätte er das nicht verziehen. Er rauchte in einem fort; ich kann mich noch genau erinnern, wie er die Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger, die beide gelb und braun waren, hielt. Er war ziemlich stur und absolut überzeugt von seinen Ansichten und Meinungen, die manchmal nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmten. Besonders in einem Fall bewahrheitete sich das. Als wir unseren Hof in der Tschechei verließen, nahm mein Großvater eine Kuh mit, damit wir unterwegs Milch hätten. Leider erkrankte die Kuh und magerte ziemlich schnell ab. Da kam mein Großvater auf den Gedanken, sie für ein Pferd umzutauschen. Unseren zwei Pferden ging es auch nicht mehr so gut; die schwere Last des Wagens und der Insassen waren wohl zu viel. Er machte sich also mit der Kuh auf den Weg in ein Dorf und kam ein paar Stunden später mit einem prachtvollen Rappen zurück. Er war wirklich stolz auf diesen Tausch. Niemand wollte ihm glauben, daß er so ein schönes Pferd für eine magere Kuh eingetauscht hatte.

Der große Schock kam dann zwei Tage später. Der Rappen streckte alle viere von sich und wälzte sich auf der Erde; weißer Schaum tropfte aus dem Maul und den Nüstern. Wir standen erschrocken um das Pferd herum; niemand wußte, wie man dem Pferd helfen könnte. Ein Onkel von mir näherte sich meinem Großvater und sagte: "Ihr habt ein Pferd eingehandelt, das die Fallsucht hat! Das war kein guter Tausch!" Diesen Tadel mußte mein Großvater schlucken. Ich aber fühlte mich zu diesem Pferd hingezogen. Es zerriß mir fast das Herz, wenn es einen Anfall hatte. Meine Mutter meinte, auch Pferde haben eine Seele, und wenn ich dem Pferd in die Augen sah, mußte ich ihr Recht geben. Weil es so oft umfiel, gab ich ihm einfach den Namen "Fallum". Ich kümmerte mich täglich um Fallum, striegelte es sorgfältig und gab ihm sattes Gras zum Essen. Ich konnte auf Fallum reiten, unter ihm sitzen; es duldete mich einfach. Fallum und ich wurden Freunde, Kameraden. Doch eines Tages passierte trotz aller Neigung etwas Unvorhergeshenes. Während eines kurzen Aufenthaltes auf einer Wiese, setzte ich mich auf Fallum und ritt nur so aus Spaß in die Runde. Zwei etwas ältere Jungs, denen mein Stolz auf das Pferd nicht gefiel, schlugen plötzlich mit langen Ruten auf Fallums Hinterteil. Fallum bäumte sich auf und schlug mit den Beinen nach hinten. Ich fiel vom Pferd, stand aber schnell wieder auf und lief ihm nach. Unvorsichtigerweise ergriff ich Fallums Schwanz und wollte es zum Stehen bringen. Fallum hatte natürlich keine Ahnung, daß ich es am Schwanz festhielt und schlug nach hinten aus, um den Täter los zu werden. Einer der Hufe traf mich mitten auf den Mund. Meine Oberlippe war gespalten und meine Vorderzähne bluteten. Obwohl es weh tat, vergoß ich jedoch keine Träne, denn ich wußte, es war meine Schuld. Eine meiner Tanten hatte den Vorfall beobachtet, tröstete mich, wischte das Blut ab und heftete ein Wundpflaster auf meine Oberlippe. Und damit hatte es sich getan.

Uns sind lansam aber sicher die Nahrungsmittel ausgegangen. Vom Eingemachten und Eingekochten ist nur noch das Schmalz übrig geblieben. Hunger kannte ich bisher noch nicht; es ist etwas Grausames, das in einem wühlt und einen nicht mehr los läßt, so daß man an nichts anderes denken kann. Meine Mutter gibt uns das Letzte, aber sie weiß nicht mehr ein noch aus. Sie war und ist immer für uns da, und ihre Liebe und Sorge um uns gab mir ein Gefühl der Wärme und Sicherheit. Ich merke, wie sie leidet.

Und da entschließt sie sich, ihren Stolz zu schlucken. "Komm Hans", sagt sie, "wir holen uns was zum Essen." Damit meint sie natürlich, daß wir jetzt betteln gehen. Es ist nicht so einfach für jemanden wie meine Mutter, die ihr ganzes Leben gearbeitet und eine Wirtschaft geführt hat und nun gezwungen ist zu betteln. "Kind, schäm dich nicht, wir wollen überleben und der Herrgott wird uns nicht im Stich lassen", meint sie.

Und so machen wir uns auf den Weg in ein ungarisches Dorf und klopfen verschämt an eine Haustür. Die Tür öffnet sich und eine etwas ältere Frau erscheint und guckt uns mit großen mitleidigen Augen an. Wir brauchen gar nichts zu sagen! Sie geht zurück und kommt mit einer Kanne Milch und einem Laib Brot zurück. Meine Mutter will ihr die Hände küssen, aber sie bekreuzigt sich und sagt etwas auf Ungarisch. Auf dem Weg zurück sagt meine Mutter: "Die Ungarn sind gute Menschen! Sie haben selber nichts und doch helfen sie, wo sie können."

Man kann nicht immer betteln gehn; man muß irgendwie mit dem Hungern auf eine Art und Weise zurechtkommen. Ich flüchte mich in meine Phantasie, um die Schmerzen in den Eingeweiden zu überwinden. Und da denke ich oft an meinen anderen Großvater, an den Mülleropa, den Märchenerzähler. Mein Großvater mütterlicherseits hieß Markus; er war ein kleiner, dicklicher Mann, gemütlich und voller Lebensfreude. Alle Enkelkinder, und ich glaube, wir waren sieben, erinnern uns mit wohligem Gefühl an ihn. Er hatte nämlich ein großes Talent; er konnte Märchen mit so echter Überzeugung erzählen, daß die Charaktere lebendig vor einem erschienen. Dann hatte er noch einen ganz schlauen Trick: er zwinkerte einem von uns zu, und dann wußte derjenige, daß er oder sie der Held des Märchens war. Wir versammelten uns gewöhnlich zu seinen Füßen und waren ganz Auge und Ohr. Das Märchen vom Glasberg war mein Lieblingsmärchen; ich konnte mir genau vorstellen, wie der Königsohn auf seinem Pferd immer wieder vom Glasberg abgerutscht ist. Ich nistete mich ein in dieses Märchen, wenn der Magen knurrte. Und ich hatte ja auch mein eigenes Pferd, Fallum; mit ihm wollte ich den Glasberg erklimmen und die goldenen Äpfel der Prinzessin erringen. Aber wie sollte ich das anfangen, daß Fallum nicht abgleiten würde. Da dachte ich an Scheuklappen, die ich Fallum um die Hufe binden würde, denn dann würde er ja gar nicht wissen, daß er auf Glas reitet. Auf jeden Fall war ich bereit, sprang auf Fallums Rücken und ritt auf den Glasberg zu. Der Anblick allein dieses steilen, spiegelglatten Berges lähmte mich fast. Aber ich faßte Mut und flüsterte Fallum zu: "Hühott, lieber Freund; das schaffen wir schon!" Leicht war es auf keinen Fall. Fallum glitt doch ab und zu etwas ab, aber jedes Mal fing er sich wieder und kämpfte sich Schritt um Schritt nach oben. Als wir dann das Schloß sahen, aus welchem die Prinzessin mit ihren goldenen Äpfeln uns zuwinkte, war kein Halten mehr. Das Schloßtor öffnete sich, die Prinzessin erschien, hielt mir die drei goldenen Äpfel entgegen und sagte: "Ich habe schon lange auf dich gewartet! Die Äpfel sind dein!" Und da habe ich mir etwas anderes ausgedacht. Ich schaute ihr voller Demut in ihr wunderschönes Gesicht und sagte: "Liebe Prinzessin! Du besitzt doch Zauberkräfte. Könntest du mir nicht drei Laiber Brot, die nie alle werden, statt der Äpfel geben?" Sie sah mich aus ihren blauen Augen mitleidsvoll an und lächelte. So habe ich mir das Märchen zurecht gebogen, damit es mir wenigstens in meiner Phantasie die Qualen betäubt.

Die Räder rattern und knarren und schläfern einen ein. Meine Mutter geht neben dem Wagen einher, weil kaum Platz für sie im Wagen ist und weil sie sich um die Pferde bangt. Jedes Mal, wenn sie mir ihr Gesicht zuwendet, sehe ich immer eine mir bekannte Schramme auf ihrer Stirn, eine Schramme, für die ich eigentlich verantwortlich bin. Im gleichmäßigen Rhythmus der Räder gerate ich in einen Dämmerzustand, in welchem die Bilder des schuldbeladenen Verhängnisses vor mir wieder aufsteigen. Ich sehe mich ganz allein in einem großen Saal, in welchem ein Riesenkachelofen stand. Es war Weihnachten! Und ich wartete ganz allein auf den Weihnachtsmann. Leider kam der nie allein; er kam immer in Begleitung seines Dieners Beelzebub, eines schwarzen Mannes, der Ketten um die Schultern trug. Der Weihnachtsmann hatte gewöhnlich nicht nur Geschenke bei sich, sondern auch eine Liste, auf der alle Sünden, die man während des Jahres begangen hatte, aufgeschrieben waren. Und da ich, wie jeder wußte, ein "Galgenstrick" war, was so viel bedeutete, daß ich nicht umhin konnte, in meinem kindlichen Übermut allerlei Unfug und Possen anzustellen. Ich war also mutterseelenallein in diesem großen, kalten Saal und wartete auf den Weihnachtsmann und seinen Diener Beelzebub. Und ich wußte, was auf mich zukam, denn ich hatte mir einiges geleistet: ein paar Fensterscheiben eingeworfen, eine ganze Reihe Tassen auf den Telephonstangen zerschmettert, kleinen Mädchen heimlich kleine Frösche ins Genick gesteckt, Äpfel und Birnen aus dem Nachbargarten "mitgehen" lassen, und wer weiß, was noch. Ich stand da und hatte so große Angst, daß ich am ganzen Körper zitterte. Es klopft, und ich erwarte, daß der böse Knecht zuerst durch die Tür kommt. In meiner Verzweiflung erwische ich ein Holzscheit, das hinter dem Kachelofen in einem Kasten steckt, und werfe es mit aller Macht, die ein Fünfjähriger besitzt, in Richtung Tür. Es ist aber nicht Beelzebub, der zuerst durch die Tür kommt, sondern der Weihnachtsmann. Und zu meinem Unglück trifft ihn das Holzscheit mitten auf die Stirn. Ich wollte mich ja nur verteidigen! Der Weihnachtsmann blutet, Beelzebub kommt auf mich zu, legt mich übers Knie und verabreicht mir eine Tracht Prügel. Es lohnt sich nicht mehr, daß die Liste meiner Vergehen vorgelesen wird. Die große Überraschung erlebe ich am nächsten Morgen: Meine Mutter erscheint mit einer ziemlich tiefen Wunde auf der Stirn, und ich begreife auf einmal, wer der Weinachtsmann war und daß es wahrscheinlich keinen Weihnachtsmann gibt. Im Nachhinein bin ich aber von dieser Einsicht eigentlich enttäuscht.

Die Räder poltern und kreischen. Es geht weiter. Ich spüre in allen eine gewisse Unruhe, Erregung und spannende Erwartung, auf das was kommen wird. Ich lebe selber in Märchen und meiner Fantasie, aber meine Landsleute sind ja alle erwachsene Menschen. Wie kann man so ins Ungewisse fahren? Ich verstehe das nicht ganz und frage deshalb meinen Großvater. "Warum hengt ihr denn alle so an dem Dorf Caramurat?" Mein Großvater dreht sich um und antwortet ernst und nachdenklich: "Weil mer dort doch alles mit de eigene Hend ufgebaut han. Mir han die Lehmziegel mit de Fiß gestampft und in der Sun truckne geloß. Un all han dann aach zamgelegt un e schene Kerich baue geloß. Unser Dorf war s’schenste in der Dobrudscha. Awer wenn ich ehrlich bin, muß ich saan, daß mich noch was ganz anneres hinzieht. Am Abend im Summer war’s so schen lauwarm; mir ware uf de Benk vor der Hausmauer und han Sonneblumekerner geknappt und han Geschichte vorzehlt. Mir han ke Radio gebraucht. Un dann de Geruch vun de Quittäpfel im Spätsummer – mer kann sich gar nit vorstelle, wie schen die geroch han. In der Nacht is es so dunkel gewor, daß mer die Hend nit vorm Gesicht gesehn hat. Das kammer gar nit  so richtig erklere, warum mer so an der Heimat hengt." Und meine Tante, die mir das Pflaster auf die Lippe geklebt hatte, fügt hinzu: "Mir han so e schener Maulbeerbaum im Hof gehat; wenn ich dran denk, wie siß die geschmeckt han!" Mein Großvater meint etwas ironisch und lacht dabei: "Und auf der Kirchhofsmauer sin so kleene Täppermännchje rumgetanzt un wemmer iwer se gelacht hat, sinse runtergesprung un han een gut vorkloppt." Da meldet sich die Großmutter: "Na, Josep, mach dem Kind ke Angscht; das sin doch alles nur Merchje!"

Mein Großvater, der mit anderen bei einer Lagebesprechung war, teilt uns mit, daß wir durch Budapest müssen, um die Donau zu überqueren. Als wir in die Stadt kommen, sehen wir nichts als Trümmer, Schutt und Asche. Drei Brücken über die Donau sind bombardiert, nur eine ist provisorisch überquerbar. Die Pferde schleppen sich mühsam über eine von Schlaglöchern demolierte Bahn, als fürchteten sie sich vor etwas. Meine Mutter warnt mich: "Hans, schau nicht runter! Schau immer schön geradeaus!" Ich kann natürlich nicht widerstehen und gucke runter. In der Donau schwimmen leblose Leichen.

Tagelang rattern unsere Wägen die Donau entlang in Richtung Rumänien. Alle atmen auf, als wir dann in Arad ankommen, denn jetzt können sich unsere Leute mit der Bevölkerung auf Rumänisch verständigen. Wir bleiben ungefähr zwei Wochen. Die Erwachsenen verdingen sich bei Bauern, um sich und ihre Kinder zu ernähren; sie helfen beim Maishacken und Weingartenjäten.

Ich weiß nicht, ob es die Spannung im Wagen – dieses gedrängte Aufeinanderleben – oder die Ungeduld meiner Mutter war. Sie beschloß, den Treck zu verlassen und auf eigene Faust weiterzukommen. Es gelang ihr sogar, einen Zug in Richtung Constanţa ausfindig zu machen. Aber da sie die Fahrt in einem Zugabteil nicht bezahlen konnte, landeten wir in einem Viehwaggon. Wir schleppten unsere Siebensachen in einen offenen Güterwagen, der leider kein Dach hatte. Wenn es nicht geregnet hätte, wäre es erträglich gewesen. Aber als es dann anfing zu gießen und wir alle plitschnaß wurden und unsere Pappkartonkoffer aufweichten, war unsere Mutter der Verzweiflung nahe. Sie beugte sich über uns, um uns vor der Nässe zu schützen. Wir waren ein Häufchen Elend!

Allein das Elend nahm noch lange kein Ende. Als wir endlich im Schwarzmeerhafen ankamen und ausstiegen, standen wir verloren da: Meine Mutter mit der jüngeren Schwester in einem Arm, im anderen Arm einen zerlumpten Koffer; ich schleife den anderen zerschlissenen Koffer am Boden entlang, und meine ältere Schwester müht sich mit einer großen Tasche ab. Nach langem Hin-und Herfragen glückt es meiner Mutter, einen Rumänen, der auf einer Kolchose in der Nähe unseres Dorfes tätig ist, zu überreden, uns auf seinem Traktorwagen mitzunehmen. Meine Mutter ist sichtlich erregt; sie kennt ja diesen Weg von Constanţa in unser Dorf wie ihre eigene Hand. Sie erzählt mir, daß mein Vater, nachdem er die Ernte in Constanta verkauft hatte, nicht selten eingeschlafen auf seinem Wagen vor unserem Haus eintraf, weil er in der großen Stadt ein bißchen zuviel getrunken hatte. Er konnte ruhig einschlafen, denn die Pferde kannten ja den Weg und fanden auch ohne den Kutscher nach Hause.

Der Traktorist lädt uns ab. Aber bevor wir in unser Dorf kommen, müssen wir durch ein rumänisches Dorf. In den Augen meiner Mutter steigt die Erwartung. Die Heimat ist nahe. Ihre Erregung überträgt sich auch auf mich. Ich bin doch hier geboren, kann mich aber nur vage an Einzelheiten erinnern. Was mir meine Mutter erzählt hat, wacht in mir auf: Bilder von einem Bauernhof überlaufen von Hühnern und Gänsen, mit einer Kuh und zwei Perden im Stall, und einem hysterisch bellenden Hündchen.

Wir schleppen uns mühsam bis zu unserer Kirche. Meine Mutter hat Tränen in den Augen; sie fällt auf die Knie und bekreuzigt sich. "Kinder, schaut nur, wie schön sie ist, unsere Kirche. Hier habe ich sonntags im Chor gesungen!"

Ja, aber was nun? Wohin jetzt? Es gehört uns doch nichts mehr; alle Häuser, wie wir sehen können, sind bewohnt.

"Kinder, bleibt eine Weile hier! Ich werde mich umschauen; irgendwie werden wir schon wo unterkommen. Hans, pass auf deine Schwestern auf, bis ich zurückkomme!"

Es dauert gar nicht lange; nach einer halben Stunde ist sie wieder da und sieht sogar etwas froh aus. Wie sie uns nachher erzählt, hatten nicht alle Landsleiute unser Dorf verlassen. Ein weit Verwandter wohnt im Pfarrhaus und wird uns bestimmt helfen, meint sie. Und das tat er dann auch. Wir finden Unterschlupf in einem kleinen Zimmer im Pfarrhaus neben der Kirche. Betten haben wir keine, aber auf Kisten läßt es sich auch schlafen.

Nach einiger Zeit - ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat – erreichte der Treck unser Dorf. Und was alle eigentlich überraschte: die rumänischen Besitzer unserer Häuser boten allen eine Bleibe. Meine Großeltern mütterlicher und väterlicherseits fanden sogar Obdach in ihren früheren Häusern. Es sah so aus, als ob unsere Landsleute das Dorf wieder in Besitz genommen hätten. Nur jetzt waren sie die Diener und Knechte.

Die anfängliche Euphorie, wieder in der Heimat zu sein, legte sich bald, besonders als die Frauen vom Bürgermeister, der für die russische Armee arbeitete, zum Wäschedienst kommandiert wurden. Meine Mutter auch. Sie mußten russische Uniformen waschen und wurden, wie meine Mutter erzählte, ständig von betrunkenen Soldaten belästigt. Glücklicherweise wurden wir von einer Tante, die mit dem Treck angekommen war, behütet und versorgt; sonst wären wir alleine auf uns gestellt gewesen. Meine Tante verweigerte ganz einfach den Sklavendienst. Der Bürgermeister schlug sie blau. Aber sie sagte wiederholt: "Ihr könnt mich totschlagen, aber ich bleib bei meinen Kindern!" Zusammen mit ihren zwei Kindern waren wir fünf.

Und wer weiß, was wir ohne sie gemacht hätten. Sie war sehr streng mit uns, aber fair. Sie hat die Stelle meiner Mutter vertreten und war unsere Rettung.

Es schien so, als ob endlich Ruhe eingetreten wäre und sich die Gemüter beruhigt hätten. Aber das war reine Täuschung. Das Elend suchte uns mit grausamer Gewalt heim. Gegen Abend kamen sehr oft bewaffnete und betrunkene russische Soldaten ins Dorf und versuchten, die Frauen aus den Häusern zu zerren. Wenn sie kamen, stellten wir uns Kinder vor das Haus und heulten aus voller Kehle, um unsere Mutter zu beschützen; manchmal erweichte das ihre Herzen, aber nicht immer. Die Angst um meine Mutter bedrückte mich so sehr, daß ich sehr oft zur Mutter Gottes in unserer Kirche betete. Eines Nachts schien es, als ob ich aufgewacht wäre und von einem kreisrunden Licht geblendet wurde. Ich liege erstarrt und kann mich nicht bewegen. Das Licht löst sich langsam in ein lächelndes Gesicht auf. Ich glaube, darin die Mutter Gottes zu erkennen und denke, sie will mich trösten. Ich erzählte niemand davon. Das war mein Geheimnis.

Während meine Schwestern unter der Obhut meiner Tante waren, konnte ich frei herumstreunen, was aber nicht ungefährlich war, denn die Straßen waren unsicher. Die Jungen der Mazedoner, der jetzigen Einwohner unseres Dorfes, waren uns feindlich gesinnt, und wenn sie einen von uns alleine antrafen, kam es gewöhnlich zu einer groben Schlägerei. Deshalb wagten wir uns nur mit einem Stecken und womöglich  mit noch jemand anderem auf die Straße. Ich hatte großes Glück, daß ich einen Freund hatte, mit dem ich mich sehr gut verstand. Zusammen fühlten wir uns selbstsicherer und irgendwie kühner. Nach ein paar Schlägereien gingen uns die Mazedonerjungs aus dem Weg. Da die Eltern fast nie da waren, unternahmen wir Streifzüge durch die nähere Umgebung, entdeckten Weingärten und Wassermelonenfelder und nahmen natürlich einiges mit uns. Stehlen kann man das kaum nennen, denn wir taten das doch nur, weil wir kaum was zum Essen hatten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir zusammenarbeiteten, wenn ein Wagen mit Wassermelonen in unser Dorf kam. Der Verkäufer schrie dann sehr laut: "Hai la pepene!" Dann ging einer von uns nach vorne zum Verkäufer und unterhielt sich mit ihm, während der andere eine Melone vom hinteren Ende des Wagens heimlich davontrug. Wir verzehrten dann die ganze Melone in unserem Versteck in einem Heuschober. In solchen Augenblicken fühlten wir uns wie im Himmel, besonders wenn man bedenkt, daß um uns herum große Not und ständige Angst herrschten.

Gestern, ich glaub es war ein Sonntag, nahm mich meine Mutter an der Hand und sagte: "Komm Junge – sie nannte mich oft Junge – wir schauen uns unser ehemaliges Haus an." Sie hatte es bisher vermieden; ich nehme an, weil so etwas weh tut. Unser Haus war in der hintersten Reihe. Die Leute, die in dem Haus wohnten, wunderten sich zuerst über uns, warum wir uns so neugierig das Haus anschauten. Als meine Mutter ihnen erklärte, daß uns das Haus einmal gehörte, waren sie zuerst zurückhaltend. Doch nachdem meine Mutter sie überzeugt hatte, daß sie mir nur zeigen wollte, wo ich geboren wurde und wo sie als Bäuerin gearbeitet hatte, entspannte sich das Gesicht der Hausherrin. Wir durften in alle Zimmer und sogar in den Stall. Meine Mutter war froh, daß alles in bester Ordnung war, obwohl ihr hier nichts mehr gehörte. Wir verabschiedeten uns von der Hausherrin und vom Haus, das meine Eltern selbst erbaut hatten. Meine Mutter drehte sich noch einmal und sagte: "Ja, das war’s wohl." Und ich wußte, was sie meinte.

Als wir dann ein paar Tage später auf den Friedhof gingen, der etwas außerhalb lag und total verwildert war, kam es mir so vor, als ob meine Mutter wieder etwas Drastisches vorhatte. Sie wollte wohl von allen Abschied nehmen, denn auf dem Friedhof lagen ja unsere Vorfahren. Sie redete mit den Toten, was mir ein bißchen komisch vorkam, und forderte mich auf ein Vaterunser für alle zu beten. Ungewollt zog es mich zum Grab meines Urgoßvaters, der einer der Gründer unseres Dorfes war. Wie er wohl ausgesehen haben mag? Nachdenklich machten wir uns zurück ins Dorf.

Was sie im Sinne hatte, wurde mir bald klar. Sie konnte die Brutalität der Besatzungstruppen und die Hungersnot nicht mehr ertragen. Noch dazu hatte sie eingesehen, daß wir hier in der eigenen Heimat Fremde waren, denen nichts mehr gehörte. "Kind", seufzte sie, "wir haben nur noch das Wort Heimat, aber das, was Heimat eigentlich bedeutet, haben wir verloren." Meine Tante und meine Großeltern waren sprachlos. "Was, du willst allein mit drei Kindern fort, und noch dazu ohne Geld!" Aber sie bestand darauf. Und was sie sich in den Kopf setzte, davon wich sie nicht mehr ab.

"Wir werden uns eine neue Heimat schaffen!" sagte sie voller Mut.

Und so standen wir wieder da – ein Häufchen Elend – meine Mutter mit der jüngeren Schwester auf einem Arm, im anderen den zerlumpten Koffer, ich mit dem anderen zerschlissenen Koffer, und meine ältere Schwester mit einer großen Tasche – auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Aber zuletzt ging ich noch einmal in unsere Kirche. Auf dem rechten Seitenaltar steht die Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Arm. Sie trägt einen blauen Mantel und strahlt Herzenswärme aus. Ich kniee vor ihr nieder und flüstere mit leiser Stimme: "Liebe Mutter Gottes, Du hast mir doch zugelächelt! Bitte, bechütze uns auf dem Weg in die neue Heimat!"

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