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Verloren wie ein Weizenkorn liegt das Dorf Karlsruhe in der grenzenlosen Weite Norddakotas

Südwestdeutsche Zeitung, Stuttgart, Germany, December 9, 2004, Page 4

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Den Menschen aus Karlsruhe im US-Staat North Dakota widmet sich ein Breitbandfotoband von Richard Besserer und Stephan Wenz (Info Verlag Karlsruhe, 19,80 Euro). Die Menschen im Vordergrund, das kärgliche Ambiente als Kulisse. Sie tragen Namen, wie man sie an vielen Klingelknöpfen in der Residenz des Rechts finden könnte: Leier, Boehm, Thomas, Klein, Mack, Schiele. Tatsächlich, ver mehr als 200 Jahren waren sie Nachbarn, ehe dem Karlsrher Uhrmacher Johann Wechinger ein Privilegienbrief von Zar Alexander I. in die Hände fiel und er mit vielen anderen Landsleuten über Wien ans Schwarze Meer auswanderte, um die Südprovinzen des Zarenreichs zu kolonisieren. Wechinger lockte das Versprechen, ungehindert im ganzen russisch-kaiserlichen Reich Handel und Wandel betreiben zu können, wie Manfred Koch vom Stadtarchiv herausgefunden hat. Das war 1804. Fünf Jahre spatter zogen 60 Karlsruher Familien über Sachsen und Warschau Richtung Osten, überwinterten in Odessa, sie gründeten eine Siedlung namens Karlsruhe. Der deutsche Generalkonsul von Odessa hielt damals fest: “Die Dörfer machen den Eindruck behäbigen Wohlstands, geräumige Höfe, schöne steinerne Wohnhäuser, blühende Gärten und Weingärten.” Siebzig Jahre später hatte sich die Situation für die Russlanddeutschen so verschlechtert, dass aus den Einwanderern Auswanderer wurden – 300 000 gingen in die USA. Sie nannten ihre Dörfer Mannheim, Straßburg, Elsass, Rastatt, Worms oder Karlsruhe. Die Russlanddeutschen hätten Amerika wahrscheinlich mehr gegeben als jede andere Einwanderergruppe, schrieb einmal ein Journalist, weil sie mit der Einführung des Winterweizens die Prärie zum Kornspeicher der Welt gemacht haben. In Karlsruhe, North Dakota, leben hundert Menschen. Ihre Porträts sprechen Bände – wie das des Schieneninspektors Kenny Gefroh (siehe Bild). mag

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