| Die Deutschen aus Rußland - neue
Quellen und Unterlagen
Von Michael M. Miller, North Dakota State University Libraries,
Fargo, North Dakota USA
Überzetzung von Alice Morgenstern, Munich, Germany
11. Mai 1993
Lassen Sie mich Richard Hacken und der Association of College and
Research sections besonders für die Möglichkeit danken,
mit Ihnen meine Erfahrungen über das wachsende Interesse an
den wissenschaftlichen Untersuchungen über die Rußlanddeutschen
in Amerika auszutauschen. In der Regel habe ich es mit einer Zuhörerschaft
von deutsch-russischem Herkommen in Kanada, den USA oder Deutschland
zu tun.
Bevor ich aber auf Material und Archive für das Thema Rußlanddeutsche
hinweise, halte ich es für notwendig, Sie mit den wichtigsten
Geschehnissen in der Geschichte dieser einmaligen ethnischen Gruppe
bekanntzumachen.
Ungefähr ab 1760 und über ein Jahrhundert lang danach
wanderten mehr als 100,000 deutsche Bauern und Handwerker nach Rußland
aus. Katharina die Große erließ 1763 ein Manifest, das
allen Fremden ungeachtet ihrer Nationalität und Religion verlockende
Angebote machte, sofern sie in den unbewohnten Gebieten Rußlands
Siedlungen gründen wollten.
Die ersten Einwanderer ließen sich vornehmlich in den wolgagebieten
nieder. Danach kamen sie viele Jahre lang hauptsächlich in
die Region am Schwarzen Meer, die Krim, Bessarabien und den südlichen
Kaukasus. Um 1860 schließlich erfolgte eine große Siedlungswelle
nach Wolhynien.
Für die erste Generation war die Errichtung neuer Bauernhöfe
und Dörfer auf den russischen Steppen eine harte, oft bittere
Erfahrung. Aber schwere Arbeit waren sie gewohnt, und sie waren
ein ausdauernder Menschenschlag und weit über das Normalmaß
hinaus fleißig. Innerhalb kurzer Zeit hatten sie blühende
Ackerbaukolonien geschaffen. Die russische Steppe mit ihrer fruchtbaren
schwarzen Erde war für sie eine neue Heimat geworden. Was die
Geschichte dieser Menschen so einmalig erscheinen läßt,
ist die Tatsache, daß sie ihre deutsche Kultur und Lebensweise
ungeschmälert beibehielten.
Letztlich machte sie jedoch ihr Beharren auf ethnischer Identität
innnerhalb einer großen und keineswegs freundlich gesonnenen
Nation angreifbar und führte zu neuen Schwierigkeiten. Versprechungen,
die man ihnen in den ursprünglichen Manifesten gemacht hatte,
wurden widerrufen; und es kam an vielen Orten zu Belästigungen
und Verfolgungen durch die einheimischen Russen.
Abermals reagierten die Deutschen darauf mit Auswanderung. Der
unmittelbare Grund dafür war die Aufhebung ihren Befreiung
vom Militärdienst.Von den siebziger Jahren des 19.Jahrhunderts
bis in das frühe 20.Jahrhundert verließen Tausende von
Deutschen Rußland und brachen in ein neues `Gelobtes Land'
auf. Für die meisten bedeutete das, auf den großen Ebenen
Amerikas von neuem anzufangen, wo sie sich wie einst ihre Vorväter,
der harten Aufgabe stellten, Pioniere in einem fremden Land zu sein.
Und abermals war für die Mehrzahl von ihnen die Landwirtschaft
ihre Existenzgrundlage,
Die Wolgadeutschen siedelten sich in erster Linie in Colorado,
Kansas und Nebraska, die Schwarzmeer- und Bessarabiendeutschen in
Nord- und Süd Dakota und den westlichen kanadischen Prairieprovinzen
an. Meine Großeltern emigrierten in den neunziger Jahren des
19.Jahrhundrts von den Dörfern Krasna in Bessarabien (der jetzigen
Republik Moldavien) und Strassburg in der Ukraine, nicht weit vom
Schwarzen Meer.
Weil es sich um Großfamilien handelte, belaufen sich die
Schätzungen für die Gesamtzahl der Deutsch-Russen in Nordamerika
auf ungefähr 5 Millionen, obwohl genaue Zahlen nicht vorliegen.
Ich wuchs in Strasburg in Nord Dakota auf und sprach mehr deutsch
als englisch. Süd-zentral-nord Dakota ist die Region in den
Vereinigten Staaten mit dem größten Anteil an Deutsch-Russen
in der Bevölkerung. Nach der Volkszählung von 1990 wird
in 25 percent der Familien in den drei süd-zentral-Counties
von Nord Dakota neben englisch deutsch gesprochen. Strasburg ist
auch der Geburtsort des mittlerweile verstorbenen bandleaders Lawrence
Welk, der in einem `Grassodenhaus', einer Art Lehmhaus, zur Welt
kam und bis zu seinem 2l.Lebensjahr kaum englisch sprach. Seine
Eltern waren aus den katholischen Schwarzmeer-Kolonien der Ukraine
eingewandert.
Nicht alle Deutschrussen emigrierten nach Amerika. Etwa 2 Millionen
blieben in der ehemaligen Sovietunion zurück. Ihre Geschichte
verlief schwierig und nicht selten tragisch. Während des Zweiten
Weltkriegs wurden sie vertrieben und ihre autonome Republik samt
Schulen und kulturellen Einrichtungen vernichtet. Heute leben sie
in den sibirischen Gebieten von Rußland, in Kazakhstan und
Usbekistan. Neusiedlungsprogramme innerhalb der GUS laufen jetzt
wieder in Sibirien und der Ukraine an, aber an die 500,000 deutschstämmige
sind während der letzten 5 Jahre nach Deutschland ausgewandert.
Durch die neue Freiheit und damit den Zugang zu Information in
der GUS ist es für Historiker, sonstige Fachgelehrte, Archivare,
Studenten und Bibliothekare möglich geworden, an neue Quellen
und Dokumente heranzukommen.
Wichtige Publikationen zur Geschichte der Rußlanddeutschen
sind unter anderem: ....(page 3)
Informationsmaterial über die Deutschen in Rußland
Eine bekannte Autorin, die über Archive und einschlägise
Antbewahrungsorte gut Bescheid weiß, ist Dr. Patricia Kennedy
Grimsted, ein Forschungsmitglied des Ukrainischen Forschungsinstituts
und des Russian Research Centers an der Harvard Universität.
Unter ihren wichtigen Nachschlagewerken sind zu nennen: ...(page
3), Archives and Manuscript Repositories in the USSR, Estland, Lettland
und Litauen, und Belorussia, herausgegeben 1981; schließlich
auch noch A Handbook for Archival Research in the USSR, 1989 veröffentlicht.
Das Family History Center in Salt Lake City verdient großes
Lob wegen seiner fortgesetzten Bemühungen um Mikrofilme über
land, Kirche und Verwaltung, die man auch von dorther beziehen kann.
Ebenso sind Mikrofilmauzeichnungen über bessarabishe deutsche
Dörfer schon greifbar. (Bessarabien, die heutige Republik Moldavien).
Auch für die deutschen Dörfer am Schwarzen Meer gibt es
einiges Material.
Organisationen von Mennoniten in Kanada haben wertvolle Unterlagen
in den Archiven von Odessa gefunden. Davon werden im Augenblick
Mikrofilme hergestellt. Allerdings ist es schwierig, sie vorher
in eine passende Ordnung zu bringen. Es ist uns bekannt, daß
es reichhaltiges Material über die Schwarzmeer Deutschen auch
in Odessa gibt. Ausgezeichnete Archive der Mennoniten finden sich
in Winnipeg, Manitoba und am Goshen College, in Goshen, Indiana.
Dr. George Epp, ein sehr bekannter mennonitischer Forscher und
vormals Präsident des Menno Simons College an der Universität
von Winnipeg, stellte kürzlich in einem Schreiben fest: "Die
sovietischen Bibliotheken standen immer unter strenger Kontrolle,
und die sovietischen Archive waren dem KGB unterstellt. Selbst heute
noch sind Archive nicht öffentlich zugänglich. Nur wenige
westliche Wissenschaftler hatten die Möglichkeit, sovietische
Archive aufzusuchen."
Den bemühungen von Dr. Harvey Dick ist es zu verdanken, daß
78 Mikrofilmrollen der mennonitischen Molotscha-Kolonien am Mennonite
Heritage Centre in Winnipeg verfügbar sind.
Die historischen Archive der Russischen Regierung in St. Petersburg
enthalten praktisch alle Unterlagen über den russischen Adel
und die Heraldik vom 19.Jahrhundert an bis zur Bolschewistischen
Revolution von 1917. In diesen Archiven werden auch Dokumente zur
Familiengeschichte anderer ethnischer Gruppen, einschließlich
Kosaken, Ukrainer, Deutsche, Balten, Finnen und Juden aufbewahrt.
Das russisch-amerikanische Gemeinschaftsprojekt BLITZ Russian-Baltic-Information
Center in St. Petersburg stellt einen neuen Archivdienst bereit,
der die Arbeit der historischen Archive der russischen Regierung
unterstützen soll.
In diesen Archiven finden sich auch evangelisch-lutherische Unterlagen.
Eine `gelehrte' Gesellschaft von Deutschen hat sich in St. Petersburg
zusammengefunden. Wir hoffen, daß wir mit ihr in Verbindung
treten können, um wertvolles Forschungsmaterial zu identifizieren.
Die American Historical Society of Germans from Russia in Lincoln,
Nebraska, sucht ein Mikrofilmprojekt über Wolgadeutsche an
den Archiven von Engels in Rußland zu verwirklichen.
Patricia Eames an den National Archives spielt eine führende
Rolle bei der Entwicklung des Russian American Genealogical Archival
Service, der durch ein Stipendium des International Research and
Exchanges Board (IREX) finanziert wird. Es ist wichtig, dieses neue
Angebot von verschiedenen anderen abzugrenzen, die-nur profitorientiert-
in den letzten Jahren entstanden sind. Kürzlich schrieb Mrs.
Eames: "Diese Unternehmungen sind ein gutes Anzeichen dafür,
daß die Ermittlung von Fakten zur Familiengeschichte möglich
ist; und das wir für beide Seiten vorteilhaft sein. Das Angebot
des RAGAS-Dienstes für diese Projekte sollte, zumal bei dem
niedrigen Preis von $6.00 die Stunde, einen weitaus besseren Zugang
zu vielen Archiven in Rußland, der Ukraine und Belarus ermöglichen
als bisher."
Der RAGAS-Dienst wurde als Teil einer Übereinkunft zur Zusammenarbeit
zwischen den U.S. National Archives und den Historischen Archiven
des Russischen Staates unter der Schirmherrschaft des Council for
Learned Studies ins Leben gerufen. Dabei ist nicht nur an den Zugang
zu Sovietarchiven gedacht, sondern auch an die Ausbildung und Unterstützung
von Kräften für die Forschung in ganz Rußland, der
Ukraine und Belarus, so daß eine befriedigende Aufarbeitung
der einschlägigen Fragen zu genealogischen Informationen gewährleistet
erscheint.
Patricia Eames fährt fort: "Die meisten Genealogen haben
gelernt, daß bestimmte Maßstäbe und ethische Leitlinien
eingehalten werden müssen wenn man eine Institution dieser
Art schafft. Viele Leute sind nor darauf aus, bei diesem Spiel mitzumischen
und gutgläubigen amerikanischen Kunden das Geld aus der Tasche
zu ziehen, ohne überhaupt zu verstehen, worauf es bei der Familienforschung
ankommt. Hinzukommt, daß Ahnenforschung, so wie wir sie betreiben,
in den russischen Republiken bisher unbekannt war. Es ist also wichtig,
daß die Amerikaner wissen, wie die Wirklichkeit aussieht,
wenn Experten versuchen, an die Archive in den Republiken der ehemligen
Sovietunion heranzukommen." Ganz allgemein ist festzustellen,
daß Unterlagen über Deutsche in Rußland erhalten
geblieben sind und daß sie eine Fülle von Informationen
bereithalten. Durch die Bemühungen von Fachleuten dieser Forschungsrichtung
in Rußland, von Historikern an den Universitäten, von
Mikrofilm Teams der Family History Library in Salt Lake City wird
eine verläßliche Hilfe zur Verfügung gestellt werden,
um die enormen Bedürfnisse all derer zu befriedigen, die Auskünfte
über ihre Vorfahren in Rußland, Belarus und der Ukraine
haben wollen.
Unsere größte Aufgabe besteht darin, die einzelnen Stücke
dieses Puzzles zusammenzusetzen. RAGAS, das für den Bereich
der Archive, die Germans from Russia Heritage Collection, die für
Geschichte und Biografien, die Family History Library, die für
die Bibliotheken zuständig ist - sie alle wirken zusammen,
um ein bedeutendes wissenschaftlches Instrument zu schaffen, das
die Kulturgeschichte Rußlands auf der Grundlage von dokumentarischem
Beweismaterial (auf der Basis von Stadt- und Dorfgeschichte) aufarbeitet.
In der diesjährigen Sommerausgabe von `Prologue', einer Publikation
der Nationalen Archive, findet sich ein spezieller Beitrag über
RAGAS. Dieses neue Projekt bietet interessante Möglichkeiten
für weitere gemeinsame Unternehmungen mit russischen Archiven
und Bibliotheken.
Sammlungen in Deutschland
Deutsche Institutionen spielen eine aktive Rolle, um Quellen in
der GUS zu entdecken. Das Institut für Auslandsbeziehunegn
in Stuttgart ermöglicht allen Deutschen, die in andere Länder
emigriert sind, den Zugang zu den umfassenden Archiven. Das Institut
beschäftigt sich nachdrücklich mit der Erforschung von
Material in der ehemaligen Sovietunion. Für deutsche Volkstumsforscher
stellt es einige der besten Sammlungen zur Verfügung. Die Landsmannschaft
der Deutschen aus Rußland und die Landsmannschaft der Bessarabiendeutschen,
die beide in Stuttgart ansässig sind, verfügen über
eine reichhaltige Bibliothek und fotografische Sammlungen über
die Rußlanddeutschen. Im Osteuropa Institut in München
gibt es eine gute deutsch-russische Sammlung.
Sammlungen in den Vereinigten Staaten
Es ist wichtig, die bedeutenden deutsch-russischen Sammlungen in
den Vereinigten Staaten zu nennen, nachdem ständig Material
aus Deutschland und der GUS hinzukommt. Sowohl die American Historical
Society of Germans from Russia in Lincoln, Nebraska, als auch die
Germans from Russia Heritage Society in Bismarck, Nord Dakota, verfügen
über wachsende Bibliotheksbestände. Die Germans from Russia
Heritage Collection an der North Dakota State University ist eine
der Hauptquellen in Nord Amerika, die ihren Schwerpunkt bei den
Schwarzmeer- und Bessarabiendeutschen hat. Sie knüpft wertvolle
Kontakte zu Professoren, Archivaren und Gelehrten in der GUS.
Zusätzlich zur Sammlung von Büchern werden an der NKSU
auch in der GUS erscheinende deutschsprachige Zeitungen bezogen,
z.B. `Neues Leben', herausgegeben in Moskau, `Deutsche Allgemeine'
aus Alma Ata, in Kasachstan,`St. Petersburgische Zeitung' aus St.
Petersburg und die `Zeitung für die Wolgadeutschen'. Diese
Zeitungen haben amerikanischen Wissenschaftlern bisher unbekannte
Wege aufgezeigt, und zwar zu Forschungsprojekten und zu wertvollen
Kontakten um Archive und und Manuskripte aufzuspüren.
1987 had das North Dakota Institute for Regional Studies die kommentierte
Bibliographie `Researching the Germans from Russia' veröffentlicht,
die, was die Literatur betrifft, das umfassendste wissenschaftliche
Instrument für die Forschung darstellt.
Briefe aus Rußland
Im persönlichen Bereich erwies sich unsere fortgestzte Korrespondenz
mit deutschen Familien als eine der wertvollsten Quellen für
das Auffinden von Archiven in der ehmaligen Sovietunion. In einer
Ausgabe der deutschen Zeitung `Neues Leben' erschien im April 1991
ein Artikel, den ich über deutsch-russische Erfahrungen in
Amerika geschrieben hatte. Binnen kurzer Zeit erreichten uns Briefe
von Deutschstämmigen in Rußland; die ihre Verwandten
in Dakota und anderen Staaten der US suchen. Leute, wie Paul Krüger
in der Nähe von Omsk in Sibirien und Matthäus Gunthner
in Rußland haben unsere Briefe an Kollegen und Professoren
ihrer Universitäten weitergeleitet. Fünfzig Jahre lang
hatte es keine Kontakte gegeben, und nun haben wir auf grund von
Familienvereinigungen sowohl gute Freunde in Rußland gefunden
als auch offene Türen zu unbekannten Fundstätten an abgelegenen
Orten wie in Ost- und Westsibirien.
Darüber hinaus tauchen am Horizont einige interessante Entwicklungen
auf, die dazu verhelfen mögen, weitere Quellen über Deutsche
in Rußland und den anderen Staaten zu finden. Größere
deutsche Wiederansiedlungsprogramme laufen in Sibirien und der Ukraine
an, Fakultäten für deutsche Sprache, Volkskultur und Geschichte
werden denjenigen Universitäten angegliedert, wo diese Siedlungsprogramme
durchgeführt werden. Deutschland hat eine beträchtliche
finanzielle Hilfe geleistet, sowohl, was die Siedlungsprogramme
als auch die Förderung germanistischer Studien angeht, und
zwar an den Universitäten, in deren Nähe Gebiete mit großem
deutschen Bevölkerungsanteil zu finden sind, in Omsk, in Sibirien
z.B.
Die zukunft (oder: Zukunftsaussichten)
Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Rußland,
in der Ukraine und den anderen Staaten bringen es mit sich, daß
der bessere Zugang zu den wertvollen Archiven und Bibliothekssammlungen
unter vielen Unsicherheiten leidet. Die Vereinigten Staaten und
Deutschland müssen eine führende Rolle in der Bereitstellung
neuer Technologien spielen, um die Förderung wirksamer Suchaktionen
zu unterstützen. Dringend müssen großangelegte Mikrofilmprojekte
für historische Dokumente eingeleitet und weitergeführt
werden. Die Bibliotheken der Colleges und Universitäten in
Amerika müssen gemeinschaftliche Programme mit ähnlichen
Institutionen in der GUS durchführen, etwa in der Art der erfolgreichen
`Partnerstadt'programme, die weltweit bestens bekannt sind.
1992 hatten die National Archives in Washington D.C. Archivare
aus der GUS und dem Family History Center in Salt Lake City zu Gast.
Die National Archives, die Library of Congress, das Family History
Center und akademische vereinigungen verfolgen wichtige Projekte.
Ethnische Vereinigungen in Nord Amerika, einschließlich Ukrainer,
Deutsch-Russen, Juden und Armenier könnten bei der Identifizierung
von Sammlungen und Archiven eine bedeutende Rolle spielen.
Kürzlich hat die society of German American Studies bei dem
Clinton Presidential Transition Roundtable Meeting in Little Rock,
Arkansas, einen Bericht vorgelegt, der sich mit der Einführung
von Grundrechten für die deutsche Minderheit in Rußland,
Polen und anderen Staaten Osteuropas befaßt. Der Präsident
dieser Vereinigung, Don Heinrich Tolzmann, unterstützte dabei
auch die Neugründung einer Deutsch-Russischen Republik.
Bei dem BLITZ Russian -Baltic Information Center, einem russisch
amerikanischern Gemeinschaftsunternehmen, handelt es sich um einen
neuen Archivdienst, der die Arbeit der Historischen Archive der
Russischen Regierung durch Archivforschung, einschließlich
Familienforschung (Forschung von Familiengeschichte) unterstützen
will.
Ehedem unzugängliche Regierungsarchive in Rußland öffnen
mitttlerweile auch ausländischen Wissenschaftlern ihre Pforten.
Die Archive der Russischen Regierung enthalten buchstäblich
alle Unterlagen des Russischen Imperiums vom 18.Jahrhundert bis
zur Bolschewistischen Revolution von 1917. Darunter befinden sich
auch Aufzeichnungen von Familiengeschichten von Deutschen, die nach
Rußland auswanderten und von deutschen Handelsunternehmungen.
Wenn man mehr über die BLITZ - Archivdienste erfahren will,
wende man sich an die Dienststelle in Kalifornien: BLITZ USA, Information
Center, 907 Mission Avenue, San Rafael, California 94901. Telefon:
(415) 453-3579. Verbindungsmann ist W. Edward Nute.
Der amerikanischen Library Association ist es zu verdanken, daß
1992 ukrainische Bibliothekare zur ALA-Konferenz in San Francisco
in die USA eingeladen wurden. Ich war so glücklich, diese Kollegen
zu einem Erfahrungsaustausch zu treffen. Die Zusammenkunft hat zur
Entdeckung wertvoller Quellen in St. Petersburg geführt. Wir
haben Exemplare der kommentierten Bibliographie `Researching the
Germans from Russia' den russischen Kollegen in San Francisco überreicht
und an Institutionen in der GUS geschickt.
Ich selbst hoffe, im Jahr 1994 St. Petersburg in Rußland
und Odessa in der Ukraine zu besuchen. Ich möchte nachprüfen,
wie es um den Zugang zu Sammlungen steht und mit Kollegen und Rußlanddeutschen
zusammentreffen. Dabei hoffe ich auch, die Heimat meiner Großeltern
in der Nähe des Schwarzen Meers und in der Moldaurepublik zu
sehen.
Ich möchte Sie dazu aufrufen, Möglichkeiten für
Austauschprogramme und den Briefwechsel mit Kollegen aus der GUS
wahrzunehmen. Viele Briefe, die ich von wissenschaftlern, Archivaren
und Bibliothekaren erhalte, machen mir deutlich, daß sie von
Kollegen in Amerika lernen wollen. Ich bitte Sie, sich an mich zu
wenden, wenn Sie etwas über Leute erfahren wollen, die uns
schreiben. Ich möchte schließen mit Worten von Patricia
Eames von den National Archives, die in einem in Kürze erscheinenden
Beitrag in `Prologue'feststellt: "Wir Amerikaner erwarten,
daß wir ohne weiteres an die Dokumente und Materialien in
unseren Archiven, Gerichtshöfen und anderen Aaufbewahrungsorten
herankommen. Dieser liberale Zugang ist für uns eine Selbstverständlichkeit.
Unsere Verbindung zur Vergangenheit können wir ohne Furcht
vor Repressalien herstellen. Ortsnamen und Staatsgrenzen haben sich
nicht geändert. Wir können davon ausgehen, daß das
Material in unseren Archiven sicher verwahrt ist. Dieses Geschenk
verdanken wir dem Leben in einer Gesellschaft, die unsere persönlichen
Rechte unter einer Herrschaft sichert, die ihrem Volk dadurch Rechenschaft
ablegt, daß sie ihm den offenen Zugang zu den Archiven ermöglicht."
Zuletzt möchte ich meinen Dank an die Western European Specialists
und die Slavic and East European section richten, daß ich
sie mit meiner Arbeit mit den Rußlanddeutschen in Nord Amerika
bekanntmachen durfte. Für einen Deutsch-Russen aus den Ebenen
von Dakota, war es eine Freude, zusammen mit Ihnen diese Erläuterungen
zu überdenken.
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