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Im Himmel sehen wir uns wieder: Deutsche in der Sowjetunion
schreiben an ihre Verwandten in Amerika 1925-1937
We'll Meet Again in Heaven: Germans in the Soviet Union Write
their American Relatives: 1925-1937
von Ronald Julius Vossler
herausgegeben von der Germans from Russia Heritage Collection,
North Dakota State University Libraries, Fargo, ND, mit Illustrationen
von Joshua Vossler 2001, 323 S., broschiert [English text]
Übersetzung: Alice Morgenstern, Munich, Germany
English
ODIN
(Online Dakota Information Network)
Central North
Dakota Library Network
Die Germans from Russia Heritage Collection gibt die Veröffentlichung
dieses wichtigen neuen Buches bekannt: "We'll
Meet Again in Heaven: Germans in the Soviet Union Write Their American
Relatives: 1925-1937," von Ronald Julius Vossler, freier
Schriftsteller und Privatdozent.
Dieses Buch ist denjenigen Deutschen in der Sowjetunion gewidmet,
"die verschleppt oder erschossen wurden, die verhungern oder
durch unmenschliche Arbeit unter dem Sowjetregime sterben mussten."
Die Veröffentlichung wurde möglich gemacht durch ein Larry-Remele-Stipendium,
das der Verfasser vom North Dakota Council on the Humanities erhielt.
Das Herzstück dieses Buches besteht aus zweihundert ursprünglich
deutschen Briefen in chronologischer Folge aus eiem Zeitraum von
zwölf Jahren, die in lesbares Englisch übertragen wurden.
Nach der Überzeugung des Autors sind sie Zeugnisse "für
eine der ungewöhnlichsten Odysseen des Leidens einer ethnischen
Gruppe." Deutsche Dorfbewohner in der Sowjetunion schrieben
diese "Kummerbriefe," wie man sie manchmal nennt, an Angehörige
und Freunde, die in früheren Jahren nach Dakota eingewandert
waren. Häufig wurden diese Briefe an deutschsprachige Zeitungen
in Dakota zur Veröffentlichung gesandt, um damit ein breiteres
Publikum zu erreichen.
In diese Briefen finden sich Namen, wie sie in Dakota auch heute
noch gang und gäbe sind, wie z.B. Dockter, Graf, Kirschenmann,
Lang, Opp, Thurn und viele andere. Sie zeigen deutlich die engen
Bande "der alten Liebe," ebenso wie die Beziehungen zwischen
den Auswanderern und den unglücklichen Familienmitgliedern,
die in Russland verblieben waren. Manche wurden von Dorfberichterstattern
eigens für die Zeitungen verfasst, und zuweilen sind sie ganz
volksnah und unbeschwert.
Da ist dann vom Wetter, von den Ernten und vom Leben im Dorf die
Rede.
Oft fügen die Briefschreiber gereimte Sprüche, Gedichte,
Bibelverse, Gebete, oft auch nur den schlichten Dank an die Menschen
in Dakota hinzu: "Wir wären schon längst verhungert
oder erfroren ohne Euch," ohne die Amerikaner, die Briefe,
Pakete und Geld in die Dörfer schickten, "wo ihre Wiege
stand" und wo sie ein Gutteil ihrer jungen Jahre verbracht
hatten. Als das Sowjetregime seine Macht festigte, und zumal mit
dem Beginn der Kollektivierung im Jahr 1928 zeigt sich in den Briefen,
die stets bemerkenswert gelassen waren, ein Element von wachsender
Verzweiflung.
In ein paar Briefen wird von den Gewalttaten der brutalen bolschewistischen
Kader, den Aufsehern der Kollektive, berichtet, die in den Dörfern
mit eiserner Faust herrschten; aber aus Furcht vor einer Zensur
vermieden die Briefschreiber meistens jeden direkten Kommentar oder
die Beschreibung ihrer Büttel. Manche Briefe kamen aus weit
entfernten Gegenden, so z.B. "aus dem Urwald," (gemeint
waren Orte der Verbannung), wo die Sterblichkeitsziffer hoch war
und wohin Zehntausende von Deutschen zwangsverschleppt wurden, um
Holz zu fällen und auf diese weise die Aussenhandelsbilanz
der Sowjetunion zu verbessern.
1932-1933, in dem Kapitel, das "Die Kreuzigung durch den Hunger"
benannt ist, - dem Zeitraum der von Stalin absichtlich herbeigeführten
"Terror-Hungersnot" (holodomor) - schildern die Briefschreiber,
dass sie "vom Hunger aufgetriebene Bäuche" haben;
dass sie Haustiere wie Hunde und Katzen schlachten, Gras essen oder
alles, was dazu verhelfen kann, sich "den schrecklichen Hungertod,
der uns schwarz vor den Augen steht," vom Leibe zu halten.
Diese Hungersnot ist eine der schlimmsten, obwohl am wenigsten bekannten
Tragödien der Menschenrechte im vorigen Jahrhundert. Über
all das wird in den Briefen aus erster Hand berichtet.
Das Buch hat Joshua Vossler, der Sohn des Verfassers, mit einer
Reihe von einfachen, aber eindringlichen Bildern illustriert, vor
allem mit Studien von Händen und Figuren.
Das Titelblatt zeigt eine Hand, die von einer Schreibfeder durchbohrt
wird; auf der Rückseite des Buches ist eine Art Poster abgebildet,
benannt: "die Hunger Pieta," eine verhungernde Gestalt
in den Armen eines Skeletts in der Uniform eines bolschewistischen
Kommissars.
Um den Hintergrund dieser Briefe zu erhellen, hat der Verfasser
eine Einführung und eine historische Übersicht beigefügt.
eine kenntnisreiche Geschichte jener zwölf Jahre zwischen 1925
und 1937, die sowohl historische Quellen auswertet als auch die
Briefe, die alle aus der Glückstalregion, einer bestimmten
Ansammlung deutscher Dörfer im ehemaligen Südrussland,
dem heutigen Moldawien, kommen. Dies ist eine Gegend, "die
eines der Hauptherkunftsgebiete von Einwanderern nach Dakota war."
Am Ende dieses Teils untersucht der Autor auch knapp die Gründe
für das "Schweigen" so vieler Russlanddeutscher in
Amerika, die, wenn es um Russland ging, ihren Nachkommen wenig oder
gar nichts über ihr einstiges Leben dort oder die in Russland
verbliebenen Verwandten erzählten.
Dieses Schweigen, nimmt der Verfasser an, mag zum Teil daher rühren,
dass die Generation der Pioniere in Dakota, die aus den Briefen
über das schreckliche Schicksal ihrer Brüder und Schwestern,
Onkel und Tanten, Eltern und Grosseltern Bescheid wusste, dies psychisch
verdrängte und über das Schicksal ihrer Lieben in der
Sowjetunion nicht sprach, weil dies zu schmerzlich für sie
gewesen wäre.
Wenn man die Briefe liest, spürt man die Todesnähe, den
Hunger und die Angst. Die Armut und das Elend des täglichen
Lebens sind erschreckend. Aber die Leser dieses Buches werden auch
die Lauterkeit der Gesinnung von Menschen finden, die versuchten,
in einer Welt zu überleben, die sich nur wenige von uns vorstellen
können.
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