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Der „Doktor der Schrift“ ist tot

Von Karlsruhe nach Kanada: Der Journalist und Buchautor Bernd G. Längin im Alter von 67 Jahren in Winnipeg/Manitoba gestorben


Ein Mann von Welt, aber kein Weltmann. Ein Mann, der das Leben liebte, ohne ein Lebemann gewesen zu sein. Familie, Abenteuer, Hobby und Beruf: Bernd G. Längin schaffte es, alles unter einen Hut zu bekommen. Seine Reisen führten ihn mehrfach um den Erdball – als Reporter für deutschsprachige Zeitungen, als Autor von 22 Büchern, als Chefredakteur des GLOBUS, weltweit gelesenes Organ des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VdA).

Geboren in Karlsruhe/Baden, gestorben in Winnipeg/Manitoba: Bernd Längin ist gerade mal 67 Jahre alt geworden. Zurück geblieben sind seine Frau Christiane und die gemeinsame Tochter Marion, die mit ihrer Familie in British Columbia/Canada lebt. Geboren wurde sie in Windhoek/Namibia. Dorthin verschlug es Längin in den 60er Jahren. Bei den Badischen Neuesten Nachrichten in Karlsruhe hatte er das journalistische Handwerk gelernt. Bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek konnte er als Redakteur die ersten Auslandserfahrungen sammeln.

Das Fernweh hat ihn nie wieder losgelassen: Ob Vietnam oder Venezuela, Melbourne oder Madagaskar - als rastloser Reisender lernte Bernd Längin die exotischsten Flecken der Erde kennen – und schrieb darüber. Mitte der 80er-Jahre dann die Wende: Seinen Job als Chefredakteur des KANADA KURIER/AMERIKA WOCHE, der größten deutschsprachigen Zeitung Nordamerikas, hängte er an den Nagel und schrieb fortan Bücher.

Akribisch recherchierte er die Geschichte der Russlanddeutschen und Schlesier, der Ostpreußen und Pommern oder auch des amerikanischen Bürgerkriegs. Und immer waren es die Menschen, die im Mittelpunkt seiner Bücher standen: Gefeierte und Gefallene, Heroes und Zeros. Viele seiner fast zwei Dutzend Bücher stehen heute in Universitäts-Bibliotheken in aller Welt. Besonders angetan hatten es Längin ethnische und religiöse Minderheiten – die Mennoniten, zum Beispiel. Oder die Amischen, die Hutterer. Sie hat Längin auf ihren Bruderhöfen aufgesucht - und über sie geschrieben. Ihre Farmkommunen nennen die Hutterer „göttliche Archen im Meer der weltlichen Sünde“, Bernd Längin war für sie „der Doktor der Schrift“.

Detail verliebt, fast besessen, recherchierte der Karlsruher Längin in der kanadischen Prärie, im Amazonas-Delta oder im paraguayanischen Chaco und konnte sich freuen wie ein Kind, wenn ihm etwa im mexikanischen Hochland ein Amish-Bruder begegnete, der seine Hosenträger quer über den Bauch und nicht vertikal trug. Die mit der Hosenträgerordnung verbundene Botschaft („unverheirateter Mann auf Brautschau!“) brachte Längin dann mit der diebischen Freude des Jungen im Bonbonladen in seinen Büchern zu Papier.

Dass Bernd Längin bei all seinen Reisen nie die Bodenhaftung verlor – dafür sorgte seine Frau Christiane. Auch sie stammt aus Karlsruhe. Und auch sie hat es im Ausland geschafft, erfolgreich zu arbeiten, wenngleich auf ganz anderem Gebiet: Die von ihr gegründete Firma baut für kanadische Ureinwohner Fertighäuser, die auf zugefrorenen Seen und Flüssen in die entlegendsten Winkel der kanadischen Subarktis transportiert werden.

Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

 

Text: Herbert Bopp                                               Foto: Cassian Bopp

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