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Information für Spätaussiedler und aus der ehemaligen Sowjetunion

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., Stuttgart, Deutschland, 1998

Inhalt

  1. Grußwort

  2. Daten zur Geschichte der Deutschen aus Russland/UdSSR

  3. Was ist die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.,
    was will sie, was hat sie bereits erreicht?
    -- Aus der Charta der Heimatvertriebenen
    -- Aus der Satzung der Landsmannschaft
    -- Mitgliedschaft

  4. Haus der Deutschen aus Russland
    Bundesgeschäftsstelle:
    -- Mitgliederbetreuung/Buchversand
    -- Eingliederung - Sozialarbeit
    -- Redaktion "Volk auf dem Weg"
    -- Kulturelle Breitenarbeit
    -- Musealer Bereich
    -- Bibliothek

  5. Russlanddeutsche Jugend (RDJ)

  6. Kulturrat der Deutschen aus Russland e.V.

  7. Seminare der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

  8. Entwicklung der Aussiedlerzahlen

  9. Anschriften und wichtige Adressen
    a) Orts- und Landesgruppen der Landsmannschaft
    b) Beratungsstellen der Landsmannschaft
    c) sonstige wichtige Adressen

  10. Haben Sie schon alles erledigt? -- Checkliste
    zur Eingliederung unserer Landsleute

  11. Bücherliste
    Bestellschein
    Beitrittserklärung


1. Grußwort

Liebe Landsleute,

nach jahrelangem Hoffen und Bangen ist Ihr sehnlichster Wunsch, in die Heimat Ihrer Vorfahren, in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen, in Erfüllung gegangen. Wir freuen uns mit Ihnen.

Im Namen des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. heiße ich Sie hier in der Bundesrepublik Deutschland sehr herzlich willkommen!

Unsere Landsmannschaft hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1950 für die Interessen der Volksgruppe eingesetzt. Familienzusammenführung sowie die soziale, wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiöse Eingliederung unserer Spätaussiedler waren und sind die Hauptaufgaben unserer landsmannschaftlichen Arbeit. In den vergangenen Jahren haben wir unsere ganze Kraft eingesetzt, weder Mühe noch Kosten gescheut, um möglichst vielen Landsleuten, die die ehemalige Sowjetunion verlassen wollen, die Ausreise zu ermöglichen.

Die Landsmannschaft hat wesentlich dafür gesorgt, dass das Tor für Sie offen geblieben ist.

Mit dem erhöhten Zuzug in den letzten Jahren ist auch die Zahl der Problemfälle erheblich gestiegen, die wir einer Lösung zuführen oder schon gelöst haben. Auch Ihnen wollen wir mit Rat und Tat helfen, wenn Sie Probleme haben.

Sie kommen aus einem Land, in dem alles von der Partei gelenkt wurde. Sie haben nach vielen Kriegswirren nach Verschleppung, Verbannung, Internierung und Trudarmee das Chaos des Verfalls der Sowjetunion erlebt.

Viele mußten und müssen heute noch aus Gebieten fliehen, in denen neben wirtschaftlicher Konfusion weiter Vertreibungsdruck besteht, der unsere Landsleute zum Verlassen dieser Gebiete zwingt.

Deshalb muß das Tor nach Deutschland auch weiterhin offen bleien

Mit Ihrer Ausreise haben Sie die Entscheidung getroffen, in Freiheit zu leben, in einem demokratisch regierten Land zu arbeiten und sich eine Existenz zu schaffen. Sie nehmen nun die Gestaltung Ihrer Zukunft und die Ihrer Kinder selbst in die Hand. Es bedarf sorgfältiger Überlegungen, um das Beste daraus zu machen. Sie werden einen langen und manchmal sicherlich auch schmerzlichen Lernprozess durchmachen müssen. Wir wollen Ihnen dabei helfen! Gemeinsam werden wir vieles schaffen!

Ein wichtiger Faktor für eine schnelle und reibungslose Integration ist das Kriterium der Sprachbeherrschung.

Bitte, bedenken Sie, mangelhafte Deutschkenntnisse führen nicht selten zu Missverständnissen und nicht zuletzt zu Fehlentscheidungen.

Wir, die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, kennen Ihre Probleme aus eigener Erfahrung und wissen auch, mit welchen Schwierigkeiten Sie zu kämpfen haben, wenn Sie in die Bundesrepublik kommen. Wer könnte Ihnen also mehr sachkundige Hilfe angedeihen lassen als wir?

Um ihnen weite Wege zu ersparen, haben wir bundesweit ein Betreuernetz aufgebaut. Wenn Sie diese Broschüre durchblättern, finden Sie sowohl Ihre Ansprechpartner unserer Landes-, Kreis-, und Ortsgruppen wie auch die Adressen und Telefonnummern unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter im sozialen Bereich.

Sollten sich bei ihrer sozialen, beruflichen und wirtschaftlichen Eingliederung Schwierigkeiten ergeben, wenden Sie sich vertrauensvoll an unsere Mitarbeiter. Sie sind gerne bereit, Ihnen zu helfen.

Sie haben zum Teil Jahrzehnte auf die Ausreise warten müssen. Sie dürfen jetzt, wo Sie am Ziel Ihrer Wünsche sind, nicht aufgeben und resignieren!

Haben Sie Mut zum Neubeginn!

Liebe Landsleute,

Mit Ihrem Eintreffen und Ihrer ständigen Wohnsitznahme im Bundesgebiet sind auf Sie Verpflichtungen zugekommen. Bitte, fühlen Sie sich auch gegenüber denjenigen Russlanddeutschen verpflichtet, die heute noch in den GUS-Staaten sind und noch ausreisen wollen!

Dieser Verpflichtung können Sie am besten durch Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft und Mitarbeit in der Landsmannschaft gerecht werden.

Werden Sie Mitglied der großen Familie der Deutschen aus Russland. Beteiligen Sie sich am landsmannschaftlichen Leben in den Landes-, Kreis- und Ortsgruppen in Ihrer Nähe. Sie werden bald im Land Ihrer Vorfahren, in der Bundesrepublik Deutschland, daheim sein.

Alois Reiss
Bundesvorsitzender der Landsmannschaft
der Deutschen aus Russland e.V.


2. Daten ur Geschichte der Deutschen aus Russland/UdSSR

1549 In Wien erschienen die Reiseberichte Reum moscovitarum commentarii des Freiherrn von Herberstein (dt. 1557 Beschreibung Moskaus). Das Buch, in dem auch "deutsche Söldner" in russischen Diensten erwähnt wurden, wurde zum Standwerk der politischen Landeskunde Russlands
1652 Gründung der "deutschen Vorstadt" (Nemeckkaja Sloboda) in Moskau
1703 Gründung der Stadt St. Petersburg
1727 St. Petersburger Zeitung, die erste deutsche Zeitung in Russland erscheint (1916 verboten. 1991 wieder gegründet)
1763 22. Juli -- Manifest der Kaiserin Katharina II (1762-1796). Aufruf an Ausländer zur Einwanderung nach Russland
1764 19. März -- Kolonialkodex: Festlegung der Agrarordnung in den Kolonien
1765 Gründung der Herrenhuter Gemeinde in Sarepta/Wolga
1773 Gründung der Erzdiözese Mogilew, Residenz St. Petersburg. Zuständig für alle Katholiken in Russland
1774-92 Russland erwirbt in zwei Türkenkriegen das gesamte Küstenland am Schwarzen Meer zwischen Dnjestr und Kuban, einschließlich der Krim (Taurien, Neu-Russland)
1789 Juli -- Chortitza, erste mennonitische Kolonie in Süd-Russland am Dnjepr gegründet. Auch "Altkolonie" genannt.
1793 Gründung der Hafenstadt Odessa
1800 6. September -- Gnadenprivileg Pauls I. (1796-1801) zugunsten Mennoniten
1804 20. Februar -- Manifest Alexanders I. (1801-1825). Einladung zur Ansiedlung Deutscher im Schwarzmeergebiet
1804-1824 Gründung zahlreicher Kolonien im Schwarzmeergebiet durch Einwanderer aus Süddeutschland und Danzig- Westpreußen
1838 9. November -- Nikolaus I. (1825-1855) bestätigt die Privilegien der Kolonisten
1842 Kodifizierung aller Freiheiten, Pflichten und Privilegien der Kolonisten und Verleihung der Bürgerrechte an die Kolonisten im ganzen Zarenreich.
1847 3. August -- Konkordat zwischen Russland und dem Hl. Stuhl: Gründung der katholischen Diözese Tiraspol mit Sitz in Cherson/Saratow
1863 Gründung der Odessaer Zeitung
1871 4./16. Juni -- Aufhebung des Kolonialstatus der "ausländischen Kolonisten" (u.a. Aufhebung der Selbstverwaltung der Kolonien)
1874 Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht. Für Mennoniten als Ersatz Forstdienst. Beginn der Auswanderung nach Nord- und Südamerika
1879 7. Oktober -- Deutsch-österreichisches Bündnis (Zweibund). Folge: Verschlechterung der Lage der Deutschen in Russland
1881 13.März -- Ermordung Alexanders II., danach Thronbesteigung Alexanders III (1881-1894). Beginn der Russifizierung. 24. Mai -- Einweihung der katholischen Kathedrale in Saratow
1904-1905 Russisch-japanischer Krieg. Niederlage Russlands führt zu teilweiser Liberalisierung. Dadurch neuer wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung in den deutschen Kolonien.
1908 Geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet entsteht in der Kulundasteppe (Sibirien)
1914 1. August -- Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 300.000 Deutsche dienen in der russischen Armee. Trotzdem werden auch die "inneren Deutschen" zu Feinden des Russischen Reiches erklärt.
1915 27. Mai -- Pogrom gegen Deutsche in Moskau. Viele Geschäfte werden geplündert, 40 Deutsche verwundet, drei ermordet. 2. Februar und 13. Dezember: Liquidationsgesetze. Deutscher Landbesitz in einem Grenzstreifen von 150 km im Westen und am Schwarzen Meer soll liquidiert werden. Später Ausdehnung auf andere Gebiete bis zum Ural.
1917 15. März -- Abdankung Nikolaus II (Februarrevolution). Alsbald Aufhebung der Liquidationsgesetze. 20. - 23. April -- Erster gesamtdeutscher Kongress in der Geschichte der Deutschen in Russland. Gründung eines Zentralkomitees aller Russlanddeutschen. 7. November (25. Oktober) Bolschewistische Revolution (Oktoberrevolution).
1918 3. März -- Frieden von Brest-Litowsk Repatriierungsklausel zugunsten der Deutschen in Russland. 19. Oktober -- Der Rat der Volkskommissare Russlands genehmigt per Dekret die Gebietsautonomie der Wolgadeutschen ("Arbeitskommune")
1923 16.Mai -- Gründung des Allrussischen Mennonitischen Landwirtschaftlichen Verbandes (A.M.L.V.)
1924 20. Februar -- Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen. Hauptstadt Engels (Pokrovsk)
1921-1927 Neue Ökonomische Politik (NÖP). Vorübergehende Erholung in den deutschen Kolonien
1927 Letzte Siedlungsneugründung am Armur
1928 Beginn der Kollektivierung. Entkulakisierung und Schließung der Kirchen
1929 November/Dezember - ca.14.000 Deutsche aus allen Teilen des Landes sind mit ihren Familien nach Moskau aufgebrochen in der Hoffnung, eine Ausreiseerlaubnis zu bekommen. Nach langen Verhandlungen werden 5.671 in Deutschland -- nur zur Durchreise (!) -- aufgenommen, von wo sie nach Nord- und Südamerika weitergeleitet wurden. Die anderen werden gewaltsam und unter unmenschlichen Bedingungen zurücktransportiert.
1938 In allen deutschen Schulen außerhalb der Wolgadeutschen Republik wird Russisch bzw. Ukrainisch als Unterrichtssprache eingeführt.
1938/39 Auflösung aller Rayons außerhalb der ASSRdWD
1939 23. August -- Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt. 1. September -- Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-1945).
1941 22. Juni -- Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges. Ab Juli -- Deportation der Deutschen aus den westlichen Teilen der Sowjetunion (Krim, Kaukasus, Teile des Schwarzmeergebiets). 25. August -- Deutsche Truppen besetzen Dnjepropetrowsk/Dnjepr. Die Deutschen westlich des Dnjepr entgehen weitgehend der Verbannung. 28. August -- Beginn der Verschleppung der Wolgadeutschen nach Sibirien und Mittelasien aufgrund eines Dekrets vom selben Datum
1943/44 350.000 Russlanddeutsche werden im Wartheland angesiedelt, wo sie die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten.
1944 10. April -- Sowjetische Truppen besetzen Odessa
1945 12. Januar -- Beginn der sowjetischen Winteroffensive. Viele Deutsche auf der Flucht. 8. Mai -- Bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Massenweise Zürückverschleppung der Deutschen aus Russland aus allen Besatzungszonen nach Sibirien und Mittelasien
1948 26. November -- Dekret des Obersten Sowjets: Verbannung auf "ewige Zeiten" festgeschrieben, verlassen der Ansiedlungsorte ohne Sondergenehmigung mit Zwangsarbeit bis zu 20 Jahren bedroht.
1949 23. Mai -- Gründung der Bundesrepublik Deutschland
1955 22. Februar -- Durch Beschluss des Deutschen Bundestages werden die im Krieg erfolgten Einbürgerungen von Russlanddeutschen anerkannt. 9. - 13. September -- Besuch des Bundeskanzlers Dr. Adenauer in Moskau. 13. Dezember -- Dekret des Obersten Sowjets "Über die Aufhebung der Beschränkungen in der Rechtsstellung der Deutschen und ihrer Familienangehörigen, die sich in der Sondersiedlung befinden." Aber: keine Rückgabe des bei der Verbannung konfiszierten Vermögens und Verbot der Rückkehr in die ehemaligen Heimatkolonien.
1957 Neues Leben, erste überregionale deutsche Zeitung nach dem Krieg, erscheint in Moskau. 1966 folgt die Freundschaft als Tageszeitung der sowejetdeutschen Bevölkerung Kasachstans (heute Deutsche Allgemeine Zeitung in Alma-Ata)
1958 8. April -- Deutsch-sowjetische Übereinkunft über Familienzusammenführung und Zusammenarbeit der Rot-Kreuz-Gesellschaften beider Staaten
1959 24. April -- Deutsch-sowjetisches Abkommen über die Familienzusammenführung
1964 29. August -- Erlass über die Teil-Rehabilitierung der Wolgadeutschen und Aufhebung des Deportationsdekrets vom 28. 8. 1941 (gilt auch für alle anderen Deutschen in der UdSSR)
1966 19. Dezember -- Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte: Recht auf freie Ausreise und Minderheitenschutz garantiert. Von der UdSSR am 23.3.1973 ratifiziert
1970 12. August -- Abschluss des Moskauer Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR über gegenseitigen Gewaltverzicht. Aussiedlerzahlen steigen
1972 3. November -- Freie Wahl des Wohnsitzes auch für Deutsche per Dekret zugesagt. Der Ukas wird aber nicht veröffentlicht.
1975 1. August -- Unterzeichnungen der KSZE-Vereinbarungen von Helsinki. Weiteres Ansteigen der Aussiedlerzahlen ist nur von kurzer Dauer (Tiefpunkt 1985: 460 Personen)
1979 Scheinversuch zur Gründung einer Autonomie in Kasachstan
1981 Deutschsprachiges "Dramentheater" gegründet (zuerst in Temirtau, heute Alma-Ata)
1986 28. August -- Neues Gesetz über Ein- und Ausreise erleichtert die Familienzusammenführung. Danach stetiger Anstieg der Aussiedlerzahlen (1987 - 14.488, 1989 - 98.134, 1992 - 195.576)
1989 Ende März -- Gründung der deutschen Gesellschaft "Wiedergeburt". Ihr oberstes Ziel: die Wiederherstellung der Wolgarepublik. An der Wolga öffentliche Proteste gegen die Rückkehr der Deutschen
1990 1. Januar -- Einwanderungs-Anpasssungs-Gesetz (EAG). Erhebliche Leistungskürzung für die Aussiedler und Zuweisung eines vorläufigen Wohnsitzes für zwei Jahre. 1. Juli -- Aussiedler-Aufnahme-Gesetz (AAG). Verfahren zur Aufnahme kann nur vom Herkunftsgebiet aus betrieben werden.
1991 1. Juli -- Wiederherstellung des 1938 aufgelösten deutschen Rayons Halbstadt (Nekrassowo) im Altai
1992 18. Februar -- Oberster Sowjet der UdSSR beschließt Gründung des deutschen Rayons Asowo/Gebiet Omsk. 21. Februar -- Dekret des russ. Präsidenten Jelzin über die Bildung eines deutschen Rayons und eines deutschen Bezirks (Okrug) in den Gebieten Saratow und Wolgograd. 10. Juli -- Protokoll zwischen Deutschland und Russland zur stufenweisen (4 - 5 Jahre) Wiederherstellung der Wolgarepublik. August -- Umfrage im Gebiet Saratow ergibt Mehrheit gegen Autonomie der Deutschen (in ländlichen Bezirken bis zu 80%)
1993 1. Jan. -- Kriegsfolgenbereinigungsgesetz. Festlegung einer hohen Aufnahmequote von ca. 200.000 jährlich aber einige Leistungseinschränkungen.
1993 26. - 28. Februar -- 3. Kongress der Deutschen der ehemaligen UdSSR beschließt: Bildung eines Zwischenstaatlichen Rates der Russlanddeutschen/Durchführung eines gesamtnationalen Referendums/Wahl eines Volkstages der Russlanddeutschen (als Vorparlament)
1996 1. März -- 2. Wohnortezuweisungsgesetz
1997 22.12. Änderungen des Wohnortezuweisungsgesetzes, Bindung bis 15.07.2000


3. Was ist die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., was will sie, was hat sie bereits erreicht?

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. wurde 1950 von russlanddeutschen Landsleuten gegründet und aufgebaut. Sie ist finanziell und in ihrer Arbeitsweise unabhängig von Regierungen, Behörden und den politischen Parteien. Sie ist konfessionell nicht gebunden, sondern offen für Angehörige aller Religionen. Die Landsmannschaft ist demokratisch aufgebaut: Die Landsleute in den Ortsgruppen wählen Delegierte, die Delegierten wählen Landes- und Bundesvorstände. Der Beirat mit Vertretern der verschiedenen Konfessionen und Fachreferenten berät den Bundesvorstand.

Die Landsmannschaft verfolgt ausschließlich gemeinnützige und mildtätige Zwecke, d.h., ihre Arbeit ist nicht auf wirtschaftlichen Gewinn gerichtet. Etwaige Gewinne werden satzungsgemäß verwendet. Die Mitarbeiter der Landsmannschaft in den Bundes-, Landes- und Ortsvorständen arbeiten grundsätzlich ehrenamtlich. Die Geldmittel der Landsmannschaft stammen fast ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden der Mitglieder.

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russlands e.V. bekennt sich zur "Charta der Deutschen Heimatvertriebenen" vom 5. August 1950.

Auszug aus der Charta der deutschen Heimatvertriebenen

Im Bewusstsein ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen, im Bewusstsein ihrer Zugehörigkeit zum christlich-abendländischen Kulturkreis, im Bewusstsein ihres deutschen Volkstums und in der Erkenntnis der gemeinsamen Aufgabe aller europäischen Völker, haben die erwählten Vertreter von Millionen Heimatvertriebenen nach reiflicher Überlegung und nach Prüfung ihres Gewissens beschlossen, dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit gegenüber eine feierliche Erklärung abzugeben, die die Pflichten und Rechte festlegt, welche die deutschen Heimatvertriebenen als ihr Grundgesetz und als unumgängliche Voraussetzung für die Herbeiführung eines freien und geeinten Europas ansehen.

1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluss ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschen gebracht hat.

2. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeigneten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.

3. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas.

Wir fühlen uns berufen zu verlangen, dass das Recht auf Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird ... Die Völker der Welt sollen ihre Mitverantwortung am Schicksal der Heimatvertriebenen als der vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen empfinden. Die Völker sollen handeln, wie es ihren christlichen Pflichten und ihrem Gewissen entspricht ... Wir rufen Völker und Menschen auf, die guten Willens sind, Hand anzulegen ans Werk, damit aus Schuld, Unglück, Leid, Armut und Elend für uns alle der Weg in eine bessere Zukunft gefunden wird.

Die Landsmannschaft versteht sich seit ihrer Gründung als Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturverein aller Russlanddeutschen in der ganzen Welt. Dazu zählen auch die Deutschen, die in der ehemaligen Sowjetunion leben und denen eine eigene nationale Vertretung verwehrt ist. Solange sie diese Möglichkeit nicht haben, wird die Landsmannschaft für sie das Wort ergreifen und sich für ihre Belange einsetzen, insbesondere für das Recht auf freie Ausreise, auf freie Ausübung der Religion, auf freien Gebrauch der Muttersprache, auf kulturelle Autonomie und auf Wiedergutmachung für das 1941 und später erlittene Unrecht.

Auszug aus der Satzung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.

§ 3 Abs. 2 Ziel und Zweck der Landsmannshaft sind:
a) Förderung der Familienzusammenführung und der Ausreise und Aufnahme allerDeutschen und ihrer Familienangehörigen, die die ehemalige Sowjetunion verlassen möchten;

b) Beratung und Betreuung der Aussiedler, Spätaussiedler, Vertriebenen, Kriegsgefangenen, Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen aus der ehemaligen Sowjetunion in allen Fragen der rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Eingliederung;

c) Förderung der sprachlichen, kulturell-ethnischen und religiösen Identität der Deutschen in den ehemaligen Sowjetrepubliken;

d) Förderung der Jugend durch sprachliche, schulische, berufliche, gesellschaftliche und kulturelle Eingliederung;

e) Förderung des landsmannschaftlichen Zusammenhaltes im In- und Ausland und Vertiefung des Zusammengehörigkeitsgefühls mit allen Schichten der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland;

f) Verbreitung und Vertiefung der Kenntnisse über die ehemaligen Heimat- und Herkunftsgebiete;

g) Unterstützung von Forschungsvorhaben auf wissenschaftlichem, ethnischem und kulturellem Gebiet;

h) Eintreten für die Verwirklichung der Menschenrechte und des Selbstbestimmungsrechtes aller Völker.

3. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch:
a) Wahrung und Vertretung der sozialen, wirtschaftlichen und heimatpolitischen Interessen der Mitglieder und Landsleute im Rahmen der Gesetze gegenüber der Regierung und der gesetzgebenden Körperschaften, vor Behörden, Gerichten und der Öffentlichkeit, wenn dies der Verein für notwendig erachtet;

b) Zusammenarbeit mit allen zuständigen Behörden und anderen Institutionen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene,

c) Zusammenarbeit mit allen landsmannschaftlichen Vereinigungen der Deutschen aus Russland im In- und Ausland und mit dem Kulturrat der Deutschen aus Russland (KDR) e.V. in Stuttgart;

d) Zusammenarbeit mit entsprechenden Lehr- und Forschungseinrichtungen;

e) Durchführung von Wanderausstellungen zur Darstellung der Geschichte und Kultur; insbesondere auch des Kriegs- sowie Kriegsfolgenschicksals der Russlanddeutschen;

f) Herausgabe von Publikationen zur Erfassung, Sicherung und Pflege des russlanddeutschen Kulturgutes;

g) Errichtung und Unterhaltung von Ehrenmalen und Gedenktafeln.

Durch unermüdlichen Einsatz ihrer vielen Mitarbeiter ist es gelungen, die während des Krieges gekommenen Russlanddeutschen materiell, kulturell und gesellschaftlich weitgehend einzugliedern. Durch zahllose Eingaben, Briefe, Telefonate, Vorsprachen in Ministerien und Behörden, Kontakte zu Politikern, Journalisten, nationalen und internationalen Organisationen, aber auch durch Beschreiten des Rechtsweges trug die Landsmannschaft zur Schaffung eines sozialen Rahmens bei, der den Altvertriebenen, den Spätaussiedlern und den Landsleuten, die hoffentlich noch ausreisen dürfen, vielfache Hilfen zur Eingliederung, zum Einleben und Eingewöhnen bietet. Jetzt ist die Landsmannschaft dabei, durch erweiterte Anstrengungen diesen Rahmen für alle Landsleute offen zu halten. Recht zu haben und Recht zu bekommen sind zweierlei; die Landsmannschaft hat bereits Tausenden von Landsleuten bei der Lösung ihrer persönlichen Probleme geholfen, ihre Rechte durchzusetzen. Die Landsmannschaft hat wichtige Vorbedingungen für die Familienzusammenführung geschaffen, sie hat die deutsche und Weltöffentlichkeit über die politische Existenz und die schlimme Lage der deutschen Volksgruppe in der ehemaligen Sowjetunion informiert und kontinuierlich darauf gedrängt, sich für sie einzusetzen.

Mitgliedschaft

Lohnt es sich Mitglied de Landsmannschaft zu werden? Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur, weil man die monatlich erscheinende Vereinszeitung Volk auf dem Weg kostenlos als Mitglied erhält. Man hat auch Anspruch auf Beratung und Unterstützung in allen Sozialfragen: Eingliederungshilfen nach BVFG, Sozialhilfe, Renten und Pensionen, Staatsangehörigkeitsfragen, Beamtenprobleme, Zeugnisanerkennung und vieles andere mehr.

Vor allem ist es eigentlich eine moralische Verpflichtung, Mitglied zu werden, um die Interessenvertretung aller Russlanddeutschen wenigstens durch den Mitgliedsbeitrag von jährlich DM 54.- (monatlich DM 4,50), neue Bundesländer DM 42.- (DM 3,50/Mon) zu unterstützen. Wir können der Sache, uns und unseren Verwandten und Bekannten in der ehemaligen Sowjetunion sehr wirksam helfen, wenn wir uns der Landsmannschaft anschließen. Der einzelne Landsmann in der ehemaligen Sowjetunion kann allein fast nichts für die Durchsetzung seiner Rechte tun. Seine Verwandten hier können nur recht wenig für ihn unternehmen. Nutzen wir also die zahlreichen Kontakte der Landsmannschaft, so nutzen wir ihre jahrzehntelangen Erfahrungen und ihr Ansehen, nutzen wir die freiwillige, idealistische Arbeit ihrer Mitarbeiter! Je mehr Landsleute sich der Landsmannschaft anschließen, um so größer ist ihr Gewicht in der Öffentlichkeit, um so besser kann sie ihre Aufgaben erfüllen und neue Aufgaben zum Wohl der ganzen Volksgruppe übernehmen!

Wie wird man Mitglied?

Sie können uns in der Bundesgeschäftsstelle im Stuttgarter
Haus der Deutschen aus Russland anrufen:
Tel: 07 11/1 66 59-0
oder die Beitrittserklärung (auf S. 55) abtrennen und ausgefüllt an unsere Adresse senden:
Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.
Raitelsbergstr. 49
70188 Stuttgart

Vergessen Sie bitte nicht: Wäre die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland nicht gewesen, das Tor wäre längst geschlossen. Sie wären nicht hier!
Schließen Sie sich uns an. Bei uns können Sie sich geborgen fühlen. Wir sind kompetent und in der Lage, Ihnen behilflich zu sein.
Unterstützen Sie uns, indem Sie Mitglied werden!
Gemeinsam sind wir stark!
Willkommen in der Heimat!

Anton Wangler
Bundesgeschäftsführer


4. Haus der Deutschen aus Russland

Dank der großartigen Spendefreudigkeit vieler Landsleute haben wir seit vielen Jahren ein eigenes Haus in Stuttgart, in dem die Bundesgeschäftsstelle ihren Sitz hat. Von hier aus wird die gesamte Arbeit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland organisiert und koordiniert.

Die Bundesgeschäftstelle ist das ausführende Organ der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. und umfaßt folgende Bereiche:

-- Verbands- und Organisationsfragen, Mitgliedbetreuung, Buchhaltung
-- Eingliederung -- Sozialarbeit
-- Redaktion Volk auf dem Weg
-- Kulturelle Breitenarbeit
-- Musealer Bereich
-- Bibliothek
-- Öffentlichkeitsarbeit/Wanderausstellung

Die Bundesgeschäftsstelle und ihre Außenstellen erledigen die gesamte anfallende Korrespondenz mit dem In- und Ausland und ist zuständig für alle Verbandsfragen.

Die Bundesgeschäftsstelle organisiert Eingliederungsseminare für Spätaussiedler, Schulungen der Sozialreferenten, Kulturtagungen u.a. Veranstaltungen, sowie die Bundestreffen, bei denen Tausende von Landsleuten die Möglichkeit haben, zusammenzukommen.

Als die zentrale Anlaufstelle für 13 Landes-, 179 Kreis- und Ortsgruppen sowie 13 Beratungsstellen unterhält sie regen Kontakt zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, schult diese sowohl im sozialen wie auch kulturellen Bereich, vermittelt Informationen und unterstützt die Arbeit vor Ort.

Mitgliederbetreuung/Buchversand

In diesen Bereich werden alle Mitglieder der Landsmannsschaft erfasst und betreut, Anschriftenänderungen eingegeben und zusätzlich ist er Annahmestelle für Such-, Todes- und Heiratsanzeigen u.a. für unsere Monatszeitschrift Volk auf dem weg. Des weiteren können Sie hier sämtliche Publikationen, die die Landsmannschaft in den letzten Jahren veröffentlicht hat, laut abgedruckter Bücher- und Bestelliste (auf S. 54 - 57) käuflich erwerben.

Eingliederung - Sozialarbeit

Eine der wichtigsten Aufgaben der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. besteht nach wie vor in der Sozialarbeit. Unsere Mitarbeiter beraten Sie kostenlos in allen Eingliederungsfragen. Wichtigste Beratungs- und Betreuungsmaßnahmen:
-- Beratung und Ausfüllhilfe bei Anträgen
-- bei der Anerkennung als Spätaussiedler
-- in Fragen der Staatsangehörigkeit
-- Spätaussiedlerbescheinigung
-- Rentengesetze
-- Arbeitsförderungsgesetz
-- Sozialhilfegesetz
-- Anerkennung von Zeugnissen
-- Hilfe bei Behördengängen
-- Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetz, Kriergsfolgenbereiningungsgesetz

sowie in allen anderen vertriebenen spezifischen Fragen.

Dies ist nur ein kleiner Teil der Betreungsmaßnahmen, die unsere ehrenamtlichen Mitglieder vor Ort bei der Aufnahme und Eingliederung für Aussiedler leisten. Um alle ihre Probleme lösen zu können, haben wir unser Betreuernetz weiter ausgebaut und z. Zt. können 326 Betreuer im gesamten Bundesgebiet in allen Fragen der Eingliederung behilflich sein (Liste auf S. 33 - 45).

Sie werden dort auf Menschen treffen, die ein ähnliches Schicksal wie Sie erlebt und auch Verständnis für alle ihre Fragen und Anliegen haben. Bei Problemen der Eingliederung wenden Sie sich bitte an die örtlichen Berater (o.g. Liste). Sollte sich in ihrer Nähe kein Berater befinden, so wenden Sie sich bitte direkt an unsere Bundesgeschäftsstelle in Stuttgart.

Redaktion Volk auf dem Weg

Volk auf dem Weg ist als eine monatliche erscheinende Zeitung das offizielle Organ der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Seit ihrer ersten Ausgabe am 1. Januar 1951 versteht es sich als Sprachrohr für die Sorgen und Nöte einer seit Jahrzehnten durch Stalinismus, Krieg und Kriegsfolgen zum Schweigen verdammten deutschen Volksgruppe, von der man in Ost und West entweder keine oder entstellte Vorstellungen hat. In den letzten Jahren hat Volk auf dem Weg immer mehr an Bedeutung gewonnen, da seit 1987 in verstärktem Maße deren Kenntnisse der eigenen Muttersprache unverschuldet nicht mehr ausreichen oder auch nicht vorhanden sind, um das auszudrücken, was sie auf dem Herzen haben. Ehrenamtliche Mitarbeiter und Freunde helfen diesen letzten Kriegsopfern, ihre Erlebnisse und Gedanken sprachlich festzuhalten, um sie einem möglichst großen Leserkreis zugänglich zu machen.

Volk auf dem Weg bezieht sich in seiner Arbeit sowohl auf die Aktivitäten des Bundesvorstandes der Landsmannschaft und die ihrer Gliederungen bis zu den Kreis- und Ortsgruppen

als auch auf das Geschehen in der Welt, wobei dem Kampf der Deutschen in der ehemaligen UdSSR um die Wahrung ihrer Identität und den Problemen der Eingliederung der Russlanddeutschen hier in der Bundesrepublik Deutschland die besondere Aufmerksamkeit gilt.

Einen großen Platz in der Berichterstattung nimmt das BVFG/kfbG ein. Die Leser von Volk auf dem Weg werden über die Tätigkeit befreundeter Verbände im In- und Ausland unterrichtet, die Beiträge zur Geschichte und Kultur der Deutschen aus Russland und der ehemaligen UdSSR, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, sind auf dem besten Weg, sich einen ihnen zustehenden Rang in de Zeitung zu erkämpfen.

Volk auf dem Weg setzt sich mit allen zur Verfügung stehenden Kräften für die Belange der Deutschen aus Russland ein, einer Volksgruppe, die am allerwenigsten von allen Beteiligten Schuld am Unheil der letzten 50 bzw. 75 Jahre hat und noch heute zum Teil von den Auswirkungen betroffen ist.

Kulturelle Breitenarbeit

Aufgabe und Ziel der kulturellen Breitenarbeit ist es, Verständnis für die kulturellen Überlieferungen und das Interesse für die Beschäftigung mit der Geschichte und den kulturellen Leistungen der Russlanddeutschen zu wecken und lebendig zu erhalten.

Hierzu gehören die Präsentationen der schöpferischen Leistungen der Vergangenheit und Gegenwart sowie die Darstellung der Volksgruppe in ihrer Eigenart und Vielfalt. Aufgrund der Trennung von der abgestammten Heimat und der Zerstreuung ihrer Bewohner, sowohl in der ehemaligen Sowjetunion als auch in der Bundesrepublik Deutschland, sind hier besondere Probleme zu überwinden. Die Landsmannschaft ist bestrebt, Kenntnisse über die Heimat und deren Geschichte zu vermitteln, das noch vorhandene Kulturgut und Zeugnisse der Geschichte der Vertreibungsgebiete zu sammeln, zu präsentieren und im Bewußtsein wach zu halten. Durch Ausstellungen, Publikationen, Vorträge, Lesungen, Filme u.a. kulturelle Veranstaltungen versuchen wir, russlanddeutsches Kulturgut - auch über den Kreis der Volksgruppe hinaus - der breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Soll nämlich die Kultur der Deutschen aus Russland lebendig bleiben, so muss sie in das Bewußtsein aller Deutschen hineingetragen und als Teil deutscher Kultur begriffen und weiter entwickelt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es sowohl der Hilfe der staatlich geförderten ostdeutschen Kulturwerke als auch einer verstärkten Unterstützung unserer Landsleute.

Musealer Bereich

Bislang aus zwingenden materiellen Gründen vernachlässigt, hat die Landsmannschaft in der letzten Zeit auf diesem Gebiete große Anstrengungen unternommen und mit Unterstützung des Patenlandes Baden-Württemberg und des Bundesministerium des Innern im Rahmen einer als Wanderausstellung konzipierten Dokumentation, die einen Überblick über die Geschichte und Lebensbedingungen der deutschen Volksgruppe im Vielvölkerreich Russland zeigt, auch einen möglichen Museumsaufbau anhand der Animation und Fortführung der begonnenen Sammeltätigkeit in die Wege geleitet. In diesem Rahmen steht auch die Aufarbeitung des Archivs.

Aufgrund unserer Bemühungen und mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern, Bonn, sind wir jetzt in der Lage, vier Wanderausstellungen anzubieten.

Bibliothek

Im Hause befindet sich eine Bibliothek, in der in den vergangenen Jahren Publikationen über die Deutschen in Russland/UdSSR gesammelt wurden und die zukünftig als Fachbibliothek aufgebaut werden soll.


5. Russlanddeutsche Jugend (RDJ)

Schwerpunktmäßig wird unsere russlanddeutsche Jugend von unserer Landsmannschaft aktiviert und unterstützt. Die Jugend ist unsere Zukunft!

Verstärkt werden Jugendgruppen gegründet, die sich für eine rasche Integration unserer Jugend einsetzen.

Ansprechpartner ist der vorsitzende der RDJ:
Albert Vetter
Berliner Str. 2
64342 Seeheim
Telefon: 0 62 57 / 8 23 43

oder Landhausstr. 5, 70182 Stuttgart
Tel.: 07 11/2 22 49 33 -12


6. Kulturrat de Deutschen aasu Russland (KDR) e.V.

Der Kulturrat der Deutschen aus Russland e.V. wurde 1981 gegründet. Er hat sich das Ziel gesetzt, kulturelle Überlieferungen zu pflegen und zu bewahren, mittels Publikationen Kenntnisse über die Heimatgebiete und deren Geschichte zu vermitteln, auch über den Kreis der Volksgruppe hinaus, das besondere Schicksal der Deutschen aus Russland/UdSSR in die Öffentlichkeit zu tragen und damit einen wichtigen Beitrag zu leisten zur Pflege und Wahrung der Identität der Volksgruppe.

Der Kulturrat wird in seinen Zielen und Aufgaben von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland unterstützt und ist in der Satzung der Landsmannschaft verankert.


7. Seminare

Im sozialen Bereich veranstaltet die Landsmannschaft der Deutsche aus Russland e.V. regelmäßig bundesweit Eingliederungs- und Informationsseminare für Aussiedler.

Ziel der Maßnahmen dieser Veranstaltungen ist es, unseren neu angekommenen Landsleuten die Orientierung in der Bundesrepublik Deutschland zu erleichtern und Hilfestellung bei der wirtschaftlichen und sozialen Integration zu geben.

In den Seminaren erfahren Sie alles über Ihre Rechte und die Ihnen zustehenden Vergünstigungen. Erfahrene Berater/Betreuer geben Ihnen Hinweise für das Einleben in Ihrer neuen Umgebung. Im Rahmen dieser Seminare ist Gelegenheit zur persönlichen Einzelberatung und zum Erfahrungsaustausch in der Gemeinschaft.

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Wo und wann die Seminare durchgeführt werden, erfahren Sie bei der zuständigen Ortsgruppe der Landsmannschaft (S. 21 - 32) oder bei der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., Raitelsbergstr. 49, 70188 Stuttgart, Tel.: 07 11/ 166 59-0

Im kulturellen, wissenschaftlichen und technischem Bereich werden folgende Arbeitstagungen organisiert:

-- für Schreibende, Wissenschaftler, Musiker, Maler, Pädagogen, Ärzte, Ingenieure -- Chöre
-- Familienforschung

Die Ankündigung der Tagungen, an denen alle interessierten Landsleute teilnehmen können, erfolgt über unsere Zeitung Volk auf dem Weg. Auskünfte erteilt auch die Bundesgeschäftsstelle (s.o.) und Landhausstr. 5, 70188 Stuttgart, Tel.: 07 11/2 22 49 33 - 13


8. Entwicklung der Aussiedlerzahlen von 1950 - 1997

Seit 1987 gibt es erfreulicherweise stark ansteigende Zahlen von Ausiedlern, die aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns kommen dürfen. Sie alle und die noch kommenden Landsleute sind uns herzlich willkommen!

Hier der Stand der Zahlen von 1950 - 1997

1950 0 1970 342
1951 1.721 1971 1.140
1952 63 1972 3.418
1953 0 1973 4.487
1954 18 1974 6.517
1955 154 1975 5.827
1956 1.016 1976 9.723
1957 932 1977 9.285
1958 4.122 1978 8.418
1959 5.563 1979 7.189
1960 3.272 1980 6.889
1961 345 1981 3.785
1962 894 1982 2.059
1963 209 1983 1.440
1964 234 1984 910
1965 366 1985 457
1966 1.245 1986 730
1967 1.092 1987 14.270
1968 598 1988 47.735
1969 316 1989 98.134
1990 147.950
1991 147.320
1992 195.576
1993 207.347
1994 213.214
1995 209.409
1996 172.181
1997 131.895


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