Volk auf dem Weg: Die Russlanddeutschen in den
Dakota-Staaten der USA
Eine Präsentation von
 |
| Getreidefelder bei Odessa, Ukraine,
Mai 2001. |
Michael M. Miller
Bibliograph der Sammlung des russlanddeutschen Kulturerbes
Bibliothek der North Dakota State University
Fargo, Nord Dakota, USA
Deutsch-Amerikanisches Zentrum
German-American Centre
James F. Byrnes Institut e.V.
Charlottenplatz 17, Stuttgart, Germany
31 May 2001
English
Eine kurze Geschichte der Russlanddeutschen in den Prärien
Dakotas
Während
der ersten Siedlungsjahre wurden etwa 300 Mutterkolonien von deutschen
Einwanderern in Rußland gegründet. Das sprunghafte Anwachsen
dieser Bevölkerung machte es notwendig, weitere Anbauflächen
für die Siedler ohne Land an zu schaffen, und führte zur
Gründung zahlreicher Tochterkolonien. Schließlich stieg
die Anzahl volksdeutscher Siedlungen in Russland auf etwa 3000.
In Schule und Kirche wurde der Unterricht deutschsprachig gehalten,
um so die Muttersprache zu pflegen. Das Leben war im Großen
und Ganzen günstig für die Kolonisten. Sie hielten sich
streng an ihre traditionellen Bräuche, ihre traditionelle Kleidung
und Musik und die verschiedenen Dialekte aus der Heimat ihrer Vorfahren.
Allerdings waren gewisse Anpassungen an russische Verhältnisse
unvermeidlich.
Im Jahr 1871 beschloss Zar Alexander II. alle begünstigenden
Rechte und Privilegien zu widerrufen, die den ersten Kolonisten
durch verschiedene Manifeste von Katharina II. und Alexander I.
vergönnt waren. Durch diesen Verlust wurden die Kolonisten
den gewöhnlichen russischen Bauern gleichgestellt und mußten
sich von nun an deren Gesetzen und Pflichten unterwerfen. 1874 galt
die Militärpflicht in der zaristischen Armee zum ersten Mal
auch für die Söhne der Kolonisten.
Diese Beschlüsse lösten bei den Kolonisten natürlich
Zorn und Bestürzung aus. Sie fühlten, dass sich die russische
Krone eines Vertragsbruchs schuldig gemacht hatte. Da sie aber nichts
dagegen tun konnten, dachten viele darüber nach, Russland zu
verlassen. Aber wohin? Es kam ihnen nicht in den Sinn, nach Deutschland
zurück zu kehren, denn als ihre Vorfahren Deutschland vor Jahren
verlassen hatten, war die Möglichkeit einer eventuellen Rückkehr
ausgeschlossen.
Der ehemalige Kolonist Ludwig Bette führte im Jahr 1849 eine
Gruppe von 83 Auswanderern von der Schwarzmeergegend in die Vereinigten
Staaten. Im Sommer 1872 entschloss er sich zu einem Besuch von Verwandten
und Freunden in den Schwarzmeerkolonien. Da er sich der Unruhen
und der großen Unzufriedenheit der Kolonisten auf Grund des
Verlustes ihres priviligierten Status bewusst war, pries er die
Tugenden der Vereinigten Staaten und drängte zur Auswanderung.
Kurz nach seiner Rückkehr in die USA kam es zu einer ersten
großen Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten, nach
Kanada und auch Südamerika. Diese Migrationen hielten mehr
oder weniger stark an, bis ihnen der Ausbruch des ersten Weltkrieges
ein zeitweiliges Ende setzte.
Alexander III. bestieg den russischen Thron 1881, nachdem sein
Vater Alexander II. ermordet worden war. Die "Russifizierung"
wurde nun zur offiziellen Politik erklärt und wirkte sich stark
negativ auf die ehemaligen Kolonisten aus. Schulunterricht und geschäftliche
Angelegenheiten mussten bald ausschließlich in russischer
Sprache gehalten, beziehungweise getätigt werden. Dazu wurde
es für deutschsprachige Kolonisten immer schwieriger, zusätzliche
Anbauflächen zu erwerben, die für ihre stetig wachsende
Anzahl nötig waren. Zudem verloren die Kolonisten unter den
veränderten Verhältnissen jegliches Recht auf die politische
Selbstverwaltung ihrer Dörfer.
Viele Kolonisten zögerten dennoch, die lange Reise über
den Ozean zu riskieren und beschlossen, trotz Russifizierung zu
bleiben. Nur etwa ein Viertel der deutschen Kolonisten wanderte
nach Nord- und Südamerika aus.
Auf Grund der Bestimmungen des US-amerikanischen "Homestead
Acts" (Heimstättengesetz) von 1862, waren die russlanddeutschen
Neusiedler gezwungen, auf ihrem zugeteilten Land von 160 Acres (rund
65 ha) zu leben. Folglich war es war ihnen nicht mehr möglich
in Dörfern oder Siedlungen zusammen zu wohnen wie in Russland.
Viele Wolgadeutsche siedelten sich in den Städten der "central
plains" (Präriegebiet von Süd Dakota bis Oklahoma
und von Ost-Colorado bis Missouri) an. Deutsche Einwanderer aus
Bessarabien, dem Schwarzmeergebiet und der Krim erwarben ihr Ackerland
zwar hauptsächlich in den Dakota-Staaten, jedoch fanden viele
Familien auch in den Prärieprovinzen West-Kanadas eine neue
Heimat. Die Wolgadeutschen wurden in der Zuckerrübenindustrie
Colorados und West-Nebraskas von großer Bedeutung. Die Mehrheit
der Deutschen aus Bessarabien, vom Schwarzen Meer und der Krim bauten
Weizen in den Dakota-Staaten und Kanada an. Andere wiederum spezialisierten
sich auf Obst- und Weinanbau in Kalifornien. Heute leben die Nachkommen
dieser frühen Siedler aus Russland in Kalifornien, Colorado,
Idaho, Kansas, Montana, Nebraska, Nord Dakota, Süd Dakota,
Oregon und Washington, sowie in Alberta, British Columbia, Manitoba
und Saskatchewan im Westen Kanadas.
Die erste russlanddeutsche Siedlung im mittleren Westen, genauer
im Gebiet der Dakota-Staaten, wurde im Frühling 1873 gegründet.
Diese Siedlung entstand direkt nach Ludwig Bettes Besuch des Dorfes
Johannestal im Bezirks Beresan 1872, als er vier Gruppen aus der
Schwarzmeergegend zur Auswanderung in die USA überredete. Die
vier Gruppen, die aus insgesamt 175 Männern, Frauen und Kindern
bestanden, versammelten sich zuerst in Sandusky, Ohio, um dort den
Winter zu verbringen. Im Frühling darauf sandten sie mehrere
Kundschafter aus, die entschieden, dass sie sich im Dakota Territory
niederlassen wollen. Alles, was die Siedlerfamilien mitnehmen konnten,
wurde auf einen speziellen Güterzug mit etwa zwei Personenwagen
und einigen Güterwagen geladen. Damit fuhren sie bis zur Endstation
Yankton im Dakota Territory, wo sie sofort von einem heftigen Schneesturm
heimgesucht wurden. Der Blizzard, der sich am Ostersonntag im April
des Jahres 1873 ereignete, gilt als einer der schlimmsten aller
Zeiten. Viele der Siedler dachten daher, dieses Land sei noch schlimmer
als Sibirien. Nach dem sich der Sturm gelegt hatte, ging man auf
die Suche nach geeignetem Land und fand es in dem Gebiet, wo sich
heute die Stadt Lesterville, Süd Dakota, etwa 18 Meilen (rund
30 km) westlich von Yankton, befindet.
Um dieser ersten Siedlungsgründung zu folgen, strömten
während der nächsten vier Jahrzehnte Tausende von Deutschen
aus den Schwarzmeerregionen Russlands ins Dakota Territory. Ihre
Heimstätten breiteten sich so lange in nördlicher und
westlicher Richtung aus, bis sie das meiste anbaufähige Ackerland
in dem Gebiet, das ab 1889 Süd Dakota heißen sollte,
kultiviert hatten. Durch die kontinuierliche Einwanderung weiterer
Schwarzmeerdeutscher, die nach neuem Land suchten, breiteten sich
deren Heimstätten um 1884 bis in das heutige Nord Dakota aus.
Letztendlich besiedelten sie auch das gesamte anbaufähige Ackerland
dieses Nachbarstaates. Demzufolge war der Bevölkerungsanteil
der Russlanddeutschen Nord Dakotas bei Volkszählungen stets
doppelt so groß, wie der eines jeden anderen Bundesstaates
der USA.
In seinem Buch "Plains Folk: North Dakota's Ethnic History"
["Das Volk der Prärie: Die ethnische Geschichte von Nord
Dakota"] schreibt Professor Timothy Kloberdanz: "Sie kamen
zu Tausenden, gebeugt unter der Last all ihrer Habe. Es gab kaum
Seufzer, kaum Tränen, kaum Klagen des Zweifels. Sie gingen
einfach weiter und wiederholten immer wieder die zwei Worte, die
das Ziel ihrer Reise bestimmten: 'Nord Dakota'."
"Sie kamen zu Dutzenden aus deutschsprachigen Kolonien und
Dörfern, die einst im heutigen europäischen Russland,
im Küstenbereich und dem Westen Rumäniens, in Nordost-Jugoslawien,
im Westen der Tschechei und im Südosten Österreichs, veteilt
lagen. Bei jedem Halt auf ihrem Weg zu den nordamerikanischen Prärien
mussten sie allerhand Beschimpfungen ihrer Ethnizität über
sich ergehen lassen: "Russen, Rossbunds, Pruskies, Bobunks,
Hunkies, Honyocks, Polacken." Die Frauen, deren Gesichter vom
ständig getragenen Kopftuch umrahmt waren, verrieten nur wenig
von ihrer innerlichen Furcht nach aussen. Die Männer mit schlichten,
dunklen Mützen prüften sorgsam die Gesichtszüge eines
jeden Mitreisenden, ehe sie wagten, die unausweichliche Frage zu
stellen: 'Kannst Du Deitsch?' Die Kinder, blass und mit zerzaustem
Haar, wurden ihrer eigenen Unruhe bald überdrüssig. Aber
genau wie ihre Eltern hatten sie keine andere Wahl, als ihren Blick
nach vorn zu richten."
Die Kleinstadt Eureka in Süd Dakota, in der Tausende von Russlanddeutschen
mit dem Zug aus New York City ankamen, wurde sehr bedeutend. Eine
Veröffentlichung der "Agricultural Experiment Station"
(Institut für experimentelle landwirtschaftliche Forschung)
der South Dakota State University berichtet dazu: "Fünfzehn
Jahre lang, von 1887 bis 1902, war diese 'Endstations-Kleinstadt'
der größte und bedeutendste Weizenmarkt der Welt, behaupten
Historiker. Allein im Jahr 1897 sind zwei Drittel der weltweiten
Weizenernte, die auf dem Handelsmarkt angeboten wurde, von Eureka
exportiert worden."
"Stellen Sie sich einmal vor, wie 165 Züge mit je 20
Waggons in einer einzigen Kleinstadt beladen werden. Diese immense
Anzahl von Güterwagen brauchte man 1892 in Eureka, um Weizen
im Wert von zwei Millionen Dollar zu exportieren. Diese 'Weizen-Goldgrube'
hatte mehrere Ursachen: 15 Jahre lang eine Lage am Ende der Bahnlinie,
das fruchtbare neue Land und die harte Arbeit der russlanddeutschen
Bauern, die die Prärie besiedelten."
Wie so viele andere Familien im südlich-zentralen Nord Dakota
sind meine Baumgartner- und Millervorfahren in den späten 1880er
Jahren in Eureka angekommen und zu Fuss mit ihren Planwagen weitergewandert,
um ihre Heimstätten auf dem unberührten Prärieboden
bei Strasburg, Nord Dakota, zu gründen.
Im Jahr 1920 schätzte man, dass sich schon insgesamt 116.539
Russlanddeutsche in den Vereinigten Staaten befanden. Deren stärkste
Konzentration war in Nord Dakota, wo im selben Jahr etwa 70.000
gezählt wurden, die fast ausschließlich aus der Schwarzmeergegend
stammten. Russlanddeutsche Siedler bevölkerten das zentrale
Nord Dakota besonders zahlreich. Viele Familien in den Landkreisen
Pierce und Towner im Norden Nord Dakotas fanden nicht genügend
Ackerland und mussten daher nach Saskatchewan, Kanada, umsiedeln.
Professor Kloberdanz schreibt in seinem Buch "Plains Folk":
"Die größte volksdeutsche Gruppe in Nord Dakota
waren die evangelischen und römisch-katholischen Schwarzmeerdeutschen.
Andere volksdeutsche Siedler aus dem Schwarzmeergebiet waren unter
anderem Mennoniten und Hutterer, sowie Dobrudschadeutsche, die für
kurze Zeit im Südosten Rumäniens gelebt hatten. Auch andere
Angehörige größerer russlanddeutscher Gruppen wanderten
nach Nord Dakota aus, so z.B. die Wolhyniendeutschen aus dem polnischen
Russland, Kaukasusdeutsche und Wolgadeutsche."
Ich persönlich wuchs auf mit amerikanischem Englisch und dem
traditionellen deutschen Dialekt und Akzent meiner Ahnen aus dem
historischen Strassburg in den Mutterkolonien des Kutschurgan. Ich
bin meinen Eltern sehr dankbar, dass ich ihren schwäbisch-deutschen
Dialekt in meiner Jugend erlernen durfte, denn diese Kenntnis erwies
sich bei meiner Arbeit an der North Dakota State University als
sehr wertvoll.
Meine Heimatstadt Strasburg, Nord Dakota, wurde namhaft als Geburtsort
des späteren Jazz-Band-Leiters Lawrence Welk, der in einem
mit Gras überwachsenem Haus geboren wurde und bis zu seinem
21. Lebensjahr nur sehr wenig Englisch sprechen konnte. Seine Eltern
waren Einwanderer aus den katholischen Schwarzmeerkolonien in der
Ukraine.
Heutzutage herrscht in deutschsprachigen, volksdeutschen Gemeinschaften
in ganz Nord Dakota nach wie vor ein spürbares Maß sprachlicher
Variation vor. Das wird von den Audioaufzeichnungen der Interviews,
die im Auftrag der GRHC zur Bewahrung mündlich-überlieferter
Geschichte durchgeführt wurden, bestätigt. Ich erinnere
mich an mein deutschsprachiges Interview mit Rosa Martin Welk in
Einbeck, Deutschland, am 29. Dezember 1994. Rosa wurde am 30. Oktober
1891 im katholischen Dorf Karlsruhe im Bezirk Beresan geboren. Als
ich sie im Rahmen des Interviews befragte, war sie bereits 103 Jahre
alt. Sie verstarb am 27. November 1995. Beim Interview mit ihr fühlte
ich mich so heimisch wie zu der Zeit, als ich noch deutsch in Strasburg,
ND, sprach. Es war ein einmaliges Erlebnis, sie kennenlernen zu
dürfen. Sie hatte sogar Käsknöpfle zum Mittagessen
zubereitet, die denen von Theresa Kuntz Bachmeier aus Rugby, ND,
sehr ähnlich waren. Diese ist in unserem Dokumentarvideofilm
"Schmeckfest" zu sehen.
Auch bei meinem deutschen Interview mit Antonia Welk Ivanova am
8. Juni 1994, kam es mir vor, als unterhielten wir uns zu Hause
in Nord Dakota. Das Interview fand jedoch in Limanoske, Ukraine,
dem ehemaligen Dorf Selz im Bezirk Kutschurgan, statt. Unser gemeinsamer
deutscher Dialekt löste eine persönliche Verbundenheit
und empfundene Verwandtschaft aus, die Antonia kaum glauben konnte.
Er stammte direkt von meinen Vorfahren, den Baumgartners, die 1889
aus den Dörfern am Kutschurgan ausgewandert waren. Antonia
verstarb im Oktober des Jahres 1998.
Wichtige und auch notwendige Forschung zu den Dialekten der Dakota-Staaten
bietet sich z.B. in Form einer sprachwissenschaftlichen Studie,
die einen Vergleich mit den Dialekten der Volksdeutschen anstrebt,
die einst in den deutschen Dörfern Südrusslands wohnten
und nun in Deutschland leben.
Das Gebiet im Süden Nord Dakotas galt einst als die Gegend
mit der stärksten Konzentration an Russlanddeutschen in den
Vereinigten Staaten. In der Volkszählung von 1990 war Deutsch
die Sprache neben Englisch, die von 20 Prozent der Bevölkerung
in den drei südlichen Landkreisen Emmons, Logan und McIntosh
gesprochen wurde. In zehn Jahren, in der Volkszählung von 2000,
wird sich dieser Prozentsatz verringern.
Professor Kloberdanz schreibt: "Für die Volksdeutschen
sowohl in Europa als auch in der Neuen Welt zog sich ein gemeinsames
Thema durch viele ihrer Erzählungen, Volkslieder und Gedichte:
die Sehnsucht nach einer Heimat ohne Krieg, Not und Leiden. Trotz
ihrer tief empfundenen Wertschätzung für ihr gemeinsames
deutsches Vaterland zögerten sie nur selten, weiter zu ziehen
und irgendwo nach einem besserem Leben zu suchen, unabhängig
davon wie weit ihre Hoffnungen sie auch führen würden.
Viele migrierten nach Nord Dakota und kultivierten, nachdem sie
nun zufrieden waren, den unberührten Grasboden und errichteten
ihre Häuser. Andere Familien wanderten auf ihrer Suche nach
besseren Möglichkeiten noch weiter nach Norden und überschritten
die Grenze nach Kanada. Ob im Schwarzmeergebiet oder im Banat (in
Rumänien) die Wahrheit des alten lateinischen Sprichwortes:
ubi panis, ibi patria (wo es Brot gibt, ist meine Heimat) schien
immer zu gelten." In den Dakota-Staaten war es wohl ganz besonders
zutreffend, da sie durch ihre große Weizenproduktion als "Brotkorb
der Welt" bezeichnet wurden.
Einschlägige Bücher zur Geschichte der Russlanddeutschen,
insbesondere in Bezug auf Nord Dakota, sind unter anderem: "From
Catherine to Krushchev: The Story of Russia's Germans [Von Katharina
zu Chruschtschow: Die Geschichte von Russlands Deutschen]"
von Adam Giesinger; "Homesteaders on the Steppe [Heimstättenbesitzer
in der Steppe]"; "Paradise on the Steppe [Paradies auf
der Steppe]" und "Memories of the Black Sea Germans [Erinnerungen
der Schwarzmeerdeutschen]" von Joseph. S. Height; "Plains
Folk: North Dakota's Ethnic History [Das Volk der Prärie: Ethnische
Geschichte von Nord Dakota]" herausgegeben von William C. Sherman
und Playord V. Thorson; "Russian-German Settlement in the United
States [Die Ansiedlung von Russlanddeutschen in den Vereinigten
Staaten]" von Richard Sallet, Übersetzung von LaVern Rippley
und Armand Bauer; "Prairie Mosaic: An Ethnic Atlas of Rural
North Dakota [Präriemosaik: Ein ethnischer Atlas des ländlichen
Nord Dakota]" von William C. Sherman; und "The Black Sea
Germans in the Dakotas [Die Schwarzmeerdeutschen in den Dakota-Staaten]"
von George Rath.
Dr. Shirley Fischer Arends, geboren in Ashley, ND, hat ein sehr
wichtiges Buch mit dem Titel "The Central Dakota Germans: Their
History, Language and Culture [Die Deutschen in Zentral-Dakota :
Ihre Geschichte, Sprache und Kultur]" verfasst. Es wurde von
der Georgetown University Press (Washington, D.C.) herausgegeben,
ist jedoch zur Zeit nicht verfügbar. In Zusammenarbeit mit
Dr. Arends plant die GRHC die Veröffentlichung einer neuen,
illustrierten Ausgabe für das Jahr 2002. Dr. Arends arbeitet
in der amerikanischen Botschaft in Berlin.
Sammlungen im zentralen und nördlichen Präriegebiet
Überall in den USA gibt es wichtige und bedeutende Sammlungen
von russlanddeutschen Büchern, Quellen zur Stammbaumforschung
und Nachschlagewerken. Die "American Historical Society of
Germans from Russia [Amerikanische Gesellschaft für die Geschichte
der Deutschen aus Russland]" in Lincoln, Nebraska, und die
"Germans from Russia Heritage Society [Gesellschaft für
das russlanddeutsche Kulturerbe]" in Bismarck, Nord Dakota,
gegründet Anfang der 1970er Jahre, verfügen über
stetig wachsende Bibliothekssammlungen. Beide Gesellschaften besitzen
beeindruckende Archivressourcen und Bürozentren. Darüber
hinaus verfügen das "Mennonite Heritage Centre [Zentrum
für das mennonitische Kulturerbe]" in Winnipeg, Manitoba,
und die Newton College Archive in Kansas ebenso über wertvolle
Sammlungen.
Die "Germans from Russia Heritage Collection (GRHC) [Sammlung
des russlanddeutschen Kulturerbes]" an der Bibliothek der North
Dakota State University ist eine der Hauptquellen in Nordamerika
und der Welt. Im Mai 2000 wurde die "Marie Rudel Portner Germans
from Russia Endowment [Marie Rudel Portner Stiftung für Russlanddeutsche]"
für die GRHC gegründet. Marie Rudel Portner war eine Bessarabiendeutsche
der ersten Generation, und ist bei Fessenden, ND, aufgewachsen.
Im Oktober 1999 starb sie im Alter von 102 Jahren und hinterließ
zum Andenken an ihre Eltern 1,1 Millionen Dollar für die Sammlung.
Kultur und Erbe der Russlanddeutschen gestern und heute
Zeitungen in deutscher Sprache waren ungeheuer wichtig für
die ersten Pioniere, da Deutsch ihre Muttersprache war, und sie
über alle Geschehnisse in Südrussland informiert sein
wollten. Die "Dakota Freie Presse", der "Nord Dakota
Herold" und "Der Staatsanzeiger" zählten viele
Abonnenten. Kreis- und Lokalblätter in deutscher Sprache wurden
in Ashley und Wishek in Nord Dakota herausgegeben. Eine wichtige
Wochenzeitung war die "Eureka Rundschau". Briefe in deutscher
Sprache, die ursprünglich in dieser Zeitung veröffentlicht
wurden, sind in dem Buch "Marienberg: Schicksal eines Dorfes"
von Johann Bollinger und Janice Huber Stangl neu abgedruckt. Das
Buch ist in einem zweisprachigen Band (Englisch und Deutsch) erschienen.
Moderne Medien und Technologie für Russlanddeutsche
In den 1990er Jahren betraten die Kultur und das Erbe der Russlanddeutschen
die technologisierte Welt des Internets und der Webseiten mit beeindruckenden
und weitreichenden Folgen. Die Pionierarbeit des Computerzentrums
der North Dakota State University, das elektronische Diskussionsgruppen
oder "Listserves [Verzeichnis aller E-mails, die in einer bestimmten
Mailingliste eingetragen sind]" eingerichtet hat, war bei diesem
Schritt 1991 besonders wichtig. Heute gibt es fünf Listserves
und die "Black Sea [Schwarzes Meer]" Mailingliste, die
insgesamt über 5000 Abonnenten weltweit enthält.
Die kontinuierliche Entwicklung von Webseiten für die russlanddeutsche
Gemeinschaft in Nordamerika, trug dazu bei, dass immer mehr Russlanddeutsche
dieses Online-Angebot verstärkt nutzen. Zwischen Januar 1999
und April 2001 hat die Website der GRHC bis zu etwa drei Millionen
erfolgreiche Anfragen erhalten.
Die Partnerschaft zwischen "Prairie Public Television [öffentlicher
Fernsehsender]" und der Bibliothek der North Dakota State University
zur Entwicklung von wissenschaftlichen Dokumentarvideofilmen hat
inzwischen Millionen von Zuschauern in Nordamerika erreicht, von
denen viele nicht wussten, was Russlanddeutsch-Sein überhaupt
bedeutet. Der preisgekrönte Dokumentarfilm "The Germans
from Russia: Children of the Steppe, Children of the Prairie [Die
Deutschen aus Russland: Kinder der Steppe, Kinder der Prärie]"
(1999) und der Dokumentarfilm "Schmeckfest: Food Traditions
of the Germans from Russia [Schmeckfest: Traditionelle Speisen der
Russlandeutschen]" (2000) haben bisher Verkaufszahlen von bis
zu 10.000 Videokassetten erreicht. Eine umfassende Dokumentarfilmentwicklung
ist für die Jahre 2002 - 2004 geplant. Diese Dokumentationsreihe
beschäftigt sich mit der russlanddeutschen Volkskunst, wie
zum Beispiel der Musik und den eisernen Grabkreuzen, sowie mit dem
russlanddeutschen Kulturerbe der Siedlungen in den Dakota-Staaten
und der Kutschurgan- und Glückstaldörfer.
Die Zukunft
Die deutsche Sprache und der volksdeutsche Dialekt, der für
unser Prärievolk einmalig ist, sind in den Dakota-Staaten zunehmend
vom Aussterben bedroht. Familienzusammenkünfte tragen wesentlich
dazu bei, die Verbundenheit zur Heimat und die gemeinsame Identität
zu bewahren. Sie stellen zusätzlich wichtige Gelegenheiten
für angeheiratete Familienmitglieder dar, die Kultur, Musik
und Essgewohnheiten der Russlanddeutschen zu erfahren. Familientreffen
haben ihre Bedeutung außerdem darin, dass sie den Fortbestand
des kulturellen Erbes für die russlanddeutsche Gemeinschaft
sicherstellen.
Veröffentlichte Familienhistorien sind bedeutende Dokumentationen
des Lebens und überaus wichtige Zeitzeugen. Darüber hinaus
stellen sie wertvolle Daten zur Ahnen- und Stammbaumforschung dar.
Ich persönlich glaube, dass die Zahl der publizierten Familienchroniken
in Nordamerika kontinuierlich steigen wird, da zusätzliches
Material zur Familienforschung im Internet und den Archiven der
ehemaligen Sowjetunion zur Verfügung steht.
Die Computertechnologie erfuhr durch die Internet- und Webseitenentwicklung
in den 1990er Jahren ein enormes Wachstum. Die russlanddeutsche
Gemeinschaft und besonders deren Jugend wird zukünftig stärker
im Internet vertreten und auch per E-Mail erreichbar sein. Die Webseiten
der "Germans from Russia Heritage Collection" und anderer
Online-Ressourcen bleiben weiterhin die erste Anlaufstelle für
die Enthüllung des ethnischen Erbes und der ethnischen Abstammung
in Text und Bild. Die wichtigste Frage dabei ist, wie man das Interesse
für diese Webseiten erweckt und deren Nutzung in Schulen und
Bibliotheken ermöglicht.
Die gut etablierten Gesellschaften für Russlanddeutsche mit
weitverbreiteter Mitgliedschaft in ganz Nord Amerika, die bedeutende
Rolle der akademischen Bibiliothek an der North Dakota State University,
die Partnerschaften mit Organisationen wie der Prairie Public Broadcasting
Gesellschaft, die Gründung der "Germans from Russia Cultural
Preservation Foundation [Stiftung für die Erhaltung der Kultur
der Russlandeutschen]" und die Ära moderner Technologie
führen mich zu der Annahme, dass es ein sogar noch größeres
Interesse an und Bewusstsein in unserem Volk geben wird: den Russlanddeutschen,
"unsere Leute".
|